Veranstaltungen

Aktuelle Veranstaltungen zum Themenkomplex NSU

8. März 2018 | Dresden | Kein Schlussstrich! – Perspektiven, Paradoxien und Grenzen der
Aufarbeitung des NSU-Komplexes | Motorenhalle des riesa efau (Wachsbleichstraße
4a, 01067 Dresden), 19 Uhr

Impulsvorträge und Diskussion mit Hannah Zimmermann; Lee Hielscher; Robert Enge; Tino Heim; Jane Viola Felber

Die Veranstaltung wirft einen kritischen Blick auf Ergebnisse, Widersprüche und Grenzen der bisherigen juristischen, politischen, kulturellen und zivilgesellschaftlichen Bemühungen um eine Aufarbeitung des NSU-Komplexes. Angesichts jüngster Entwicklungen rassistischer und neonazistischer Gewalt und der Kontinuitäten vielfältiger Formen des strukturellen und institutionellen Rassismus in Behörden, Medien und Gesellschaft steht dabei auch zur Diskussion, wie eine weitgehend noch ausstehende adäquate Aufarbeitung dazu beitragen könnte, die vielschichtigen Ursachen und Konstellationen rassistischer Gewalt nicht nur zu benennen, sondern zu überwinden.

14. März 2018 | Dresden | Mit angezogener Handbremse? – Der NSU-Untersuchungsausschuss in Sachsen | Projekttheater (Louisenstraße 47, 01099 Dresden), 19 Uhr

Vortrag mit NSU Watch Sachsen

Bald drei Jahre bemüht sich der zweite sächsische Untersuchungsausschuss um Aufklärung im NSU-Komplex. Über vierzig Zeugen/innen wurden bisher vernommen, drei Schwerpunkte untersucht: Die Ermittlungen rund um den Brand in der Frühlingsstraße, die Raubüberfälle, sowie die Fahndung nach den drei untergetauchten Nazis in Sachsen. Grund genug zu fragen: Was hat es gebracht? Welche Erkenntnisse konnten gewonnen werden, wo gibt es weiße Flecken und offene Fragen? Welche folgen hat das für Politik und Gesellschaft? NSU Watch Sachsen begleitet den Untersuchungsausschuss von Anfang an und wird dessen Arbeit unter die Lupe nehmen.

20. März 2018 | Dresden | Filmvorführung: „Der Kuaför aus der Keupstraße“ | malobeo (Kamenzer Straße 38, 01099 Dresden), 20 Uhr

Am 9. Juni 2004 verübte der NSU einen Nagelbombenanschlag in der Keupstraße in Köln, die Dabei wurden 22 Menschen verletzt – vier davon schwer. Während ein rassistischer Hintergrund kategorisch ausgeschlossen wird, ermittelt die Polizei sofort und ausschließlich gegen die Betroffenen, und machte durch die einseitige und rassistische Ermittlung Opfer zu Tätern. Medien und Öffentlichkeit flankierten dies mit dem Gerede von angeblich „kriminellen Ausländermilieus“. Der Dokumentarfilm zeigt, welche Auswirkungen dieser Anschlag und die mit rassistischen Ressentiments aufgeladene Ermittlungsarbeit der Polizei, auch Jahre nach dem Vorfall, auf die Betroffenen hatte.

26. März 2018 | Dresden | Lesung: Kein Schlusswort: Nazi-Terror – Sicherheitsbehörden – Unterstützernetzwerk | kosmotique (Martin-Luther-Str. 13 , 01099 Dresden)

Buchlesung und Gespräch mit dem Nebenklageanwalt im NSU-Prozess Peer Stolle

Die im Buch veröffentlichten Plädoyers im Münchner NSU-Prozess gehen den bohrenden Fragen der Betroffenen nach und zeigen, wo die Aufklärung weitergehen muss. Denn viele Fragen blieben bislang unbeantwortet: Wie erfolgte die Auswahl der Opfer? Wie groß war das an den Morden und Anschlägen beteiligte Unterstützernetzwerk? Was wussten die Sicherheitsbehörden – insbesondere der Verfassungsschutz – und warum wurde seitens des Staates nicht eingegriffen? Wie konnte der NSU überhaupt entstehen? Diesen und anderen Fragen gehen in diesem Band vier vom NSU-Terror Betroffene und acht Nebenklagevertreter*innen in ihren Plädoyers nach.

Vergangene Veranstaltungen

26. April 2017 | Dresden | Gedächtnisprotokoll eines Kontraktarbeiters aus Hoyerswerda | Veränderbar (Görlitzer Str. 42), 20 Uhr

Filmdokumentation und Gespräch mit Julia Oelkers (out of focus Filmproduktion) und der Initiative »Pogrom 91«. Manuell Alexandre Nhacutou war einer von 18.000 mosambikanischen Kontraktarbeitern/innen in der ehemaligen DDR, lebte und arbeitete dort bis zum September 1991. Nach dem ersten Pogrom an ausländischen Arbeitern/innen und Flüchtlingen im vereinten Deutschland verließ er die Stadt und kam nach Berlin. Julia Oelkers hat Manuell Alexandre Nhacatou und andere ehemalige Vertragsarbeiter/innen getroffen und interviewt, die das rassistische Pogrom 1991 in Hoyerswerda miterlebten.

28. April 2017 | Leipzig | Die NSU Monologe | Pögehaus (Hedwigstr. 20), 18:30 Uhr

Nach über 400 Aufführungen der Asyl-Monologe und Asyl-Dialoge erzählt die Bühne für Menschenrechte etwa fünf Jahre nach dem Bekanntwerden des “Nationalsozialistischen Untergrunds” in den NSU-Monologen von den jahrelangen Kämpfen dreier Familien der Opfer des NSU.

Ich hab den Polizisten gesagt „Ermittelt gegen Nazis!“ – Sie meinten: „Die würden Spuren hinterlassen. Ein Türke hat ihn umgebracht.“ (Adile Şimşek)

Dabei erzählen die NSU-Monologe nicht von namenlosen Opfern, sondern von Elif Kubaşık und Adile Şimşek und dem gewaltvollen Verlust ihrer Ehemänner sowie von İsmail Yozgat und der Trauer um seinen Sohn.

Wir erfahren vom Mut der Hinterbliebenen, in der 1. Reihe eines Trauermarschs zu stehen, von der Willensstärke, wiederholt die Umbenennung einer Straße einzufordern und nicht zuletzt vom Versuch, die eigene Erinnerung an den geliebten Menschen gegen die vermeintliche Wahrheit der Ermittler zu verteidigen.

Wenn in den NSU-Monologen die Schauspieler*innen mal behutsam, mal fordernd, mal wütend ihre Stimme erheben, dann erzählen sie roh und direkt die Erfahrungen der Hinterbliebenen und liefern uns intime Einblicke in das Hoffen und Bangen menschlicher Existenzen, denen wir uns nicht mehr entziehen können.

Die NSU-Monologe entstanden durch ausführliche Interviews, lediglich gekürzt und ohne sprachliche Veränderungen – ein Werk zeitgenössischer Geschichtsschreibung, das in Zeiten des Erstarkens der AfD und des europäischen Faschismus an Aktualität kaum zu überbieten ist.

In türkischer Sprache und mit deutschen und englischen Untertiteln.

10. Mai 2017 | Dresden | Das NSU-Unterstützer/innen-Umfeld in Sachsen | Betriebsküche Friedrichstadt (Berliner Straße 63), 20 Uhr

Die juristische Aufarbeitung der Verbrechen der Terrorgruppe »NSU« ist bis heute starkt von der »Trio-These« der Generalbundesanwaltschaft geprägt. Vor dem Oberlandesgericht München sind neben Beate Zschäpe lediglich vier weitere Haupttäter angeklagt. Im gesellschaftlichen und medialen Diskurs wird das bundesweite Unterstützungsnetzwerk des NSU bisher noch wenig berücksichtigt. Der Vortrag beleuchtet das Unterstützungsumfeld in Sachsen in der Zeit des »Untertauchens« des NSU in Chemnitz und Zwickau zwischen 1998 und 2011. Zahlreiche Neonazis, die den NSU in Sachsen mit konkreten Handlungen unterstützt haben, wurden bis zum heutigen Tag noch nicht angeklagt und bewegen sich weiterhin auf freiem Fuß.

19. Mai 2017 | Chemnitz | Podium: Eine Gesellschaft der Vielen klagt an | Exil im Schauspielhaus (Zieschestr. 28), 18 Uhr

Es wird Zeit, dass die Perspektive der Migration eine Perspektive der gesamten Gesellschaft wird. Rassismus muss zusammen mit den davon Betroffenen thematisiert und bekämpft werden. In dieser Veranstaltung wollen wir mit den Betroffenen sprechen, auch aus Sachsen, und einen Einblick in die inhaltlich-politische Ausrichtung des NSU-Tribunals bekommen.

19. Mai 2017 | Chemnitz | Theater: Beate Uwe Uwe Selfie Klick | Schauspielhaus-Ostflügel (Zieschestraße 28), 20 Uhr

Eine europäische Groteske

Ja, man hat ihn sich verdient, diesen Welthauptstrand Europa, ja, Möwen, Wellen, Sonne, Sonnencreme und eine sonnengebräunte Haltung. Ahhh, Beate Uwe Uwe Selfie Klick. Was soll man dazu sagen? Zum sogenannten NSU? Das hat doch schon das Erste, das Zweite, die Süddeutsche, der Verfassungsschutz getan und dann gibt es diesen Prozess in München. Die Debatten erschlagen sich gegenseitig und Beate Zschäpe kleistert alles zu. Lässt sich da noch ein roter Faden eigener Erkenntnis spinnen? Werden dem Ikarus der Wahrheit gar die Federchen geschreddert? Und wo haben sich die Opfer versteckt?

Textfassung von Laura Linnenbaum mit Texten von Gerhild Steinbuch und dokumentarischem Material. Eine Produktion des Figurentheaters Chemnitz in Kooperation mit dem Schauspiel Chemnitz und den Grass Liftern / ASA-FF. e.V. Regie: Laura Linnenbaum / Bühne und Kostüm: Valentin Baumeister / Puppen: Angela Baumgart

17. – 21. Mai 2017 | Köln | Tribunal »NSU-Komplex auflösen«

nsu-tribunal-1

Wir klagen an! Davacıyız!

  • Das Netzwerk NSU mit allen Helfenden.
  • Die Neonazis, die rechten Terror verbreiten.
  • Die Institutionen, die dies begünstigt haben und noch immer tun.
  • Angeklagt sind die, die gehetzt haben.
  • Die, die geschwiegen haben.
  • Rassistische Strukturen, die dahinter liegen.
  • Die, die versuchen zu vertuschen, die der Aufklärung entgegenstehen.

Kurzum: Eine gesellschaftliche Anklage des strukturellen Rassismus in Deutschland anhand des NSU-Komplexes: an 5 Tagen im Mai 2017 an einem zentralen Ort in Köln. An diesen Tagen wird die Perspektive der Betroffenen im Vordergrund stehen. Wir möchten alle, die so engagiert in den letzten Jahren für eine Aufklärung gestritten haben, zusammenbringen und in verschiedenen Formaten unser Wissen zusammenbringen, daraus eine Anklage formulieren. Mit vielen Aktionen und Veranstaltungen werden wir gemeinsam mit euch Druck aufbauen und ein gutes Leben für Alle in Almanya einklagen.
Die Vorbereitungen zum Tribunal laufen bundesweit auf Hochtouren. Werdet Teil unserer Anklage. Wie, werden wir Schritt für Schritt hier aufzeigen. Für eine Gesellschaft der Vielen!

21./22./27./28./31. Mai 2017 | Leipzig | Film: 6 Jahre, 7 Monate, 16 Tage – Die Morde des NSU | Cinémathèque Leipzig @ naTo (Karl-Liebknecht-Str. 48)

Über fünf Jahre sind mittlerweile vergangenen seit der Selbstenttarnung des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU). Von wirklicher Aufklärung der rassistischen Mordserie ist bisher wenig zu sehen. Die Anklage stützt sich weiter auf die These, dass der NSU nur aus 3 Personen bestanden hätte, anstatt ihn als Teil bundesweiter Neonazi-Strukturen zu begreifen. Die Rolle des Staates und insbesondere des Verfassungsschutzes ist bis heute ungeklärt und wirft – nicht zuletzt durch umfangreiche Aktenvernichtungen – weiterhin viele Fragen auf. Auch die rassistisch geprägten Ermittlungen gegen die Betroffenen des rechten Terrors bis zum Auffliegen des NSU sind kaum Teil der Debatte, ebenso wenig der gesamtgesellschaftliche Rassismus, der es überhaupt erst möglich gemacht hat, dass eine neonazistische Terrorgruppe jahrelang MigrantInnen ermorden konnte, ohne dass dies als rassistische Gewalt erkannt wurde – obwohl die Angehörigen der Opfer schon früh darauf aufmerksam machten.

In dem Film „6 Jahre, 7 Monate und 16 Tage. Die Morde des NSU“ (Trailer) nähert sich der Regisseur Sobo Swobodnik essayistisch in lyrischem Schwarz-weiß dieser unvergleichlichen rechtsextremistischen Mordserie ausschließlich mit Bildern der zehn Tatorte in einer visuellen kardiographischen Vermessung. Die Orte als stumme Zeugen der Anklage, der Reflexion und Erinnerung. Diese Bilder werden ergänzt von einer Textcollage, bestehend aus Zeitungsmeldungen, Ermittlungsprotokollen, Prozessaussagen, den Statements von Hinterbliebenen und Fachleuten.

1. – 11. November 2016 | »Unentdeckte Nachbarn«

Unentdeckte Nachbarn

Anlässlich des 5. Jahrestags der Aufdeckung der NSU-Verbrechen findet vom 1.-11.11.2016 das Theatertreffen „Unentdeckte Nachbarn“ in Chemnitz und Zwickau statt. Highlights sind neben den großen Produktionen aus Köln („Die Lücke“), München („Urteile“) und Münster („Auch Deutsche unter den Opfern“) eine Eigenproduktion des Figurentheaters Chemnitz und die zeitgleich an mehreren Orten Deutschlands stattfindende Lesung „Offener Prozess“.