{"id":8,"date":"2016-08-22T18:16:46","date_gmt":"2016-08-22T16:16:46","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=8"},"modified":"2016-10-26T11:36:47","modified_gmt":"2016-10-26T09:36:47","slug":"bericht-5-sitzung-5-oktober-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2016\/08\/22\/bericht-5-sitzung-5-oktober-2015\/","title":{"rendered":"Bericht 5. Sitzung &#8211; 5. Oktober 2015"},"content":{"rendered":"<ul class=\"bullet\">\n<li>\u00a0Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26<\/li>\n<li>\u00a0Zeuge Hendrik D\u00fcni\u00df, Polizeibeamter<\/li>\n<li>\u00a0Zeuge J\u00f6rn Naumann, Polizeibeamter<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>In der f\u00fcnften Sitzung des Untersuchungsausschusses standen die Ermittlungen um die Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26, den Wohnort von B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe im Mittelpunkt. Geladen ist der Polizist Hendrik D\u00fcni\u00df. Er war damals bei der Kriminalpolizei t\u00e4tig und verantwortlich f\u00fcr erste Ermittlungst\u00e4tigkeiten zum Hintergrund des Brandes. Als zweites wird der damalige Polizeianw\u00e4rter J\u00f6rn Naumann angeh\u00f6rt. Er fand die Ceska-Pistole, die der NSU zur T\u00f6tung von neun Menschen nutzte, im Brandschutt der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe.<\/em><\/p>\n<p>Der erste Zeuge, Kriminalobermeister Hendrik D\u00fcni\u00df, war zum Zeitpunkt des Brandes im Kriminaldauerdienst der Polizeidirektion Zwickau besch\u00e4ftigt, insgesamt ist er seit 20 Jahren bei der Polizei t\u00e4tig. Er berichtet, dass er am 4. November 2011 seine Nachtschicht um 18 Uhr angetreten habe. Nach einem kurzen Lage\u00fcberblick mit dem Hinweis auf die Explosion in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26, habe er gemeinsam mit seinem Kollege Alexander F. gegen 20 Uhr den ersten Auftrag vom Dienstgruppenf\u00fchrer Siegfried M\u00fcller erhalten. Sie sollten Beatrix J. auf der Polenzstra\u00dfe 2 in Zwickau aufsuchen, um den Verbleib einer \u00bbabg\u00e4ngigen Person\u00ab aufzukl\u00e4ren. Auf J. sei ein Mobiltelefon mit der Nummer 0162 \u2013 700 05 87 registriert, das wiederum der in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe vermissten \u00bbSusanne Dienelt\u00ab (eine Tarnidentit\u00e4t von Beate Zsch\u00e4pe) zugeordnet worden sei. Die Herkunft dieser Information habe KOM D\u00fcni\u00df erst sp\u00e4ter erfahren, sie stamme vom Hausmeister der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 Lutz W.<\/p>\n<p>D\u00fcni\u00df und sein Kollege haben sich nach einem Zwischenstopp in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe auf den Weg in die Polenzstra\u00dfe 2 gemacht. Dort h\u00e4tten sie Beatrix J. nach Susanne Dienelt und dem Mobiltelefon befragt. J. habe erkl\u00e4rt, dass \u00bbSusann\u00ab eine ehemalige Hausbewohnerin sei. Weiter habe sie gesagt, dass sich \u00bbSusann\u00ab einen Prepaidvertrag von ihr erbeten habe. Daher sei das Telefon auf J.s Namen registriert. Beatrix J. habe berichtet, dass \u00bbSusann\u00ab mit ihrem Bruder in einer WG in der Polenzstra\u00dfe gelebt habe und nach dem Umzug in die Fr\u00fchlingsstra\u00dfe ab und zu zu Besuch gekommen sei, zuletzt am 2. November 2011. KOM D\u00fcni\u00df habe J. gebeten, die fragliche Telefonnummer anzurufen. J. schien dem Wunsch nachzukommen, sie habe auf ihrem Telefon gew\u00e4hlt. Nach dem Telefonat habe sie berichtet, dass eine m\u00e4nnliche Person ans Telefon gegangen sei, die sich als \u00bbPK\u00ab vorgestellt habe. Da sie so eine Person nicht kenne, habe J. gleich wieder aufgelegt. D\u00fcni\u00df erkl\u00e4rt, dass er und sein Kollege das Gespr\u00e4ch nicht direkt mitgeh\u00f6rt h\u00e4tten. Sie h\u00e4tten diese Erkl\u00e4rung akzeptiert und anschlie\u00dfend die Befragung beendet.<\/p>\n<p>Im Auto vor dem Haus, so KOM D\u00fcni\u00df auf Nachfrage, habe er zum ersten Mal an diesem Abend gegen 21 Uhr mit dem Diensthandy des Kriminaldauerdienstes Zwickau die fragliche Handynummer gew\u00e4hlt. Jedoch habe sich nur die Mailbox gemeldet. Die Erkenntnisse seien dem Dienstgruppenf\u00fchrer \u00fcbermittelt worden und sie h\u00e4tten um eine weitere Ortung des Mobiltelefons gebeten, ob dies umgesetzt worden sei, entziehe sich D\u00fcni\u00df&#8217; Kenntnis. Auch auf Nachfrage erkl\u00e4rte D\u00fcni\u00df, dass er erst sp\u00e4ter durch den BKA-Beamten Herr Leibnitz informiert worden sei, dass auf dem Mobiltelefon kein Anruf von Beatrix J. registriert sei, lediglich der Anruf vom Diensthandy liesse sich nachvollziehen. Direkt vor Ort habe er keinen Anhaltspunkt f\u00fcr eine T\u00e4uschung gehabt.<\/p>\n<p>Nach der Befragung von J. h\u00e4tten sie die Polenzstra\u00dfe verlassen und sich dem n\u00e4chsten Auftrag gewidmet. Sie sollten den Wohnmobilvermieter Mario K. aufsuchen, so D\u00fcni\u00df, weil eines seiner Wohnmobile in Eisenach in Brand gesetzt worden sei. Sie h\u00e4tten K. Lichtbilder vorlegen sollen, die 2008 im Rahmen einer erkennungsdienstlichen Behandlung von Holger Gerlach gefertigt worden seien. Unter seinem Namen sei das Wohnmobil angemietet worden. Um 22 Uhr sei die R\u00fccksprache mit Mario K. erfolgt, er habe jedoch die Person nicht als den Mieter des Wohnmobils wiedererkannt. D\u00fcni\u00df und sein Kollege h\u00e4tten das dem Dienstgruppenf\u00fchrer gemeldet. Auf die Frage, ob ihm zu diesem Zeitpunkt bereits der Zusammenhang zwischen dem Wohnmobil und der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe bekannt war, antwortete D\u00fcni\u00df, dass es Aufgabe des Dienstgruppenf\u00fchrers sei Informationen zusammenzuf\u00fchren. Er selbst sei nur ein \u00bbkleiner Mitarbeiter\u00ab, eine Mischung verschiedener Auftr\u00e4ge sei aber \u00bbganz normal\u00ab.<\/p>\n<p>D\u00fcni\u00df berichtet, dass sie um 0:00 Uhr den Auftrag erhalten h\u00e4tten, nach Johanngeorgenstadt zu fahren. Sie h\u00e4tten dort Matthias Dienelt, den Mieter der Wohnung in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26, aufsuchen und ihn \u00fcber den Aufenthalt von \u00bbSusann Dienelt\u00ab befragen sollen. An Dienelts Meldeadresse auf der Christian-Gottlob-Wild-Stra\u00dfe 9 habe jedoch niemand die T\u00fcr ge\u00f6ffnet. Seine Wohnung im Erdgeschoss sei zwar offenkundig bewohnt, aber darin war niemand zu sehen. Um 6 Uhr habe die Schicht von KOM D\u00fcni\u00df geendet.<\/p>\n<p>Nach einer Stunde und 45 Minuten ist die Befragung des Zeugen beendet.<\/p>\n<p>Die Befragung von J\u00f6rn Naumann beginnt um 14:05 Uhr. Der Polizist war 2011 Auszubildender an der Fachschule der Polizei Sachsen in Chemnitz. Er berichtet, dass seine Lehrgruppe mit 25 Polizeianw\u00e4rtern den Auftrag erhalten habe, am 9. November 2011 die Polizei Zwickau an der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe zu unterst\u00fctzen. Begleitet worden sie durch einen ihrer Ausbilder, der im Verlauf des Tages eine beobachtende Rolle eingenommen habe.<\/p>\n<p>Nachdem sie dort eingetroffen sind, sei eine kurze Begr\u00fc\u00dfung und eine Einweisung in den Ereignisort erfolgt. Die Fr\u00fchlingstra\u00dfe sei mit Bauz\u00e4unen abgesperrt gewesen, im Umfeld seien zahlreiche Schaulustige zu sehen gewesen, darunter viel Presse. Neben den Polizeianw\u00e4rtern, seien mehrere Personen in Brandursachenermittlerkleidung anwesend gewesen, sowie zwei bis drei Beamte aus Baden-W\u00fcrttemberg. Diese seien Naumann jedoch nicht am Tag selbst aufgefallen, sondern in Vorbereitung auf die heutige Vernehmung, als er Zeitungsausschnitte vom 9. November 2011 angeschaut habe. Die Aufgabe sei gewesen den Schuttberg abzutragen. Naumann berichet, dass dazu drei Gruppen je acht bis zehn Personen gebildet worden seien. Eine davon habe Schubkarren beladen, die zweite habe den Schutt weiter zu einer Plattform transportiert, wo die Durchsuchung stattgefunden habe. Diese sei jedoch nicht durch die Lehrgruppe durchgef\u00fchrt worden. Die dritte Gruppe habe pausiert. Zwar h\u00e4tten die Polizeisch\u00fcler bereits im August und September 2011 ein Praktikum in Tatortarbeit absolviert, vergleichsweise sei \u00bbdiese Situation [&#8230;] viel komplexer gewesen, war viel gr\u00f6\u00dfer\u00ab, so die Einsch\u00e4tzung Naumanns. So etwas h\u00e4tten sie noch nie gemacht.<\/p>\n<p>Im Verlauf der Ber\u00e4umung h\u00e4tten die Polizeianw\u00e4rter eine Maschinenpistole, Revolver, mehrere Handys, Magazine, drei bis vier Gl\u00e4ser mit Schwarzpulver, mehrere CDs oder DVDs gefunden. Das Schwarzpulver habe Naumann auf Sicht erkannt, das habe er bei der Bundeswehr gelernt. Besondere Ma\u00dfnahmen zur Eigensicherung der suchenden Beamten seien nicht erfolgt, da diese im Umgang mit Waffen ausgebildet waren. Naumann berichtet: \u00bbWenn dann etwas zum Vorschein kam, ist nat\u00fcrlich erst mal die Aufregung gro\u00df gewesen.\u00ab Auch der Fund des Schwarzpulver habe zu keiner Unterbrechung gef\u00fchrt. Naumann erkl\u00e4rt, dass er gegen Ende des Einsatzes auf einen Gegenstand gesto\u00dfen sei, der wie ein Heizungsrohr ausgesehen, sich dann aber als Pistole herausgestellt habe. Es habe sich, wie er sp\u00e4ter durch Medienberichte erfahren habe, um ebenjene Ceska gehandelt, die als Tatwaffe bei Morden in der gesamten BRD eingesetzt wurde. Naumann wird gefragt, ob ihm etwas merkw\u00fcrdig vorgekommen sei am Fundort, und antwortet: &#8220;Nein, das war ein normaler Schuttberg wie von einem Abrissgeb\u00e4ude.&#8221; Auf die Nachfrage, ob Fundst\u00fccke deplatziert gewirkt h\u00e4tten, antwortet er mit: &#8220;Nein, auf keinen Fall.&#8221; Auf die Nachfrage, ob f\u00fcr ihn alles koh\u00e4rent gewirkt h\u00e4tte, antwortet er mit: &#8220;Ja.&#8221; Nach der Dokumentation des Funds sei die \u00dcbergabe an andere Kollegen vor Ort erfolgt. Die Namen der Kollegen seien Naumann jedoch nicht bekannt, es sei auch keine Dokumentation seines Namens als urspr\u00fcnglichen Finder der Pistole erfolgt. F\u00fcr die Fotodokumentation seien ebenfalls andere Kollegen zust\u00e4ndig gewesen, die hinzugerufen worden seien, sobald einer der Polizeisch\u00fcler auf einen relevanten Gegenstand stie\u00df.<\/p>\n<p>Die Suche sei bis 16 Uhr geplant gewesen, jedoch habe man dann entschieden \u00bbdurchzuziehen\u00ab und alles fertig zu machen. Gegen 18 Uhr sei dann die Durchsuchung des\u00a0 Geb\u00e4udeschutts beendet gewesen. Die Polizeisch\u00fcler seien zur\u00fcck nach Chemnitz gereist. Auf der Abreise h\u00e4tten die Polizeianw\u00e4rter miteinander gesprochen, Naumann berichtet von einem \u00bbstolzen Gef\u00fchl\u00ab, da man etwas gefunden habe und somit etwas beitragen konnte. Es sei das einzige Mal, dass Naumann mit Aufgaben in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe betraut worden sei, es sei der einzige Einsatz dieser Art w\u00e4hrend seiner Ausbildungszeit gewesen. Eine Auswertung im Rahmen des Ausbildung sei nicht erfolgt. Die beteiligten Polizeisch\u00fcler h\u00e4tten jedoch ein bis zwei Monate sp\u00e4ter eine DNA-Probe zum Spurenabgleich abgeben m\u00fcssen. Die Befragung heute vor dem Untersuchungsausschuss sei die erste nach dem Einsatz, so Naumann abschlie\u00dfend. Die Befragung endet nach gut einer Stunde.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 \u00a0Zeuge Hendrik D\u00fcni\u00df, Polizeibeamter \u00a0Zeuge J\u00f6rn Naumann, Polizeibeamter In der f\u00fcnften Sitzung des Untersuchungsausschusses standen die Ermittlungen um die Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26, den Wohnort von B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe im Mittelpunkt. Geladen ist der Polizist Hendrik D\u00fcni\u00df. 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