{"id":74,"date":"2016-09-22T18:38:26","date_gmt":"2016-09-22T16:38:26","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=74"},"modified":"2016-10-26T11:22:31","modified_gmt":"2016-10-26T09:22:31","slug":"bericht-11-sitzung-23-mai-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2016\/09\/22\/bericht-11-sitzung-23-mai-2016\/","title":{"rendered":"Bericht 11. Sitzung, 23. Mai 2016"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Zeugin Frau Antje Herfurth<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Zeuge Herr Lutz Winkler<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Im Mittelpunkt des Untersuchungsausschuss steht nach wie vor der Brand in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26. Heute sind erstmals Nachbar*innen zur Vernehmung geladen.<\/em><\/p>\n<p>Antje Herfurth ist 43 Jahre alt und lebt in Zwickau. Die Verwaltungsfachwirtin berichtet, dass sie mit ihrer Tochter auf dem Weg nach Hause war. Beim Einbiegen auf die Fr\u00fchlingsstra\u00dfe zwischen 14:50 und 15:00 Uhr habe sie Rauchschwaden gesehen. Auf H\u00f6he der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 22 habe sie Auto abgestellt, da sie sich nicht am brennenden Haus an der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 vorbeigetraut habe. Kurz nach dem Parken sei eine Bewohnerin des brennenden Hauses auf sie zugekommen, Herfurth habe sie angesprochen und gefragt, was hier los sei. Die Hausbewohnerin habe sich daraufhin zum brennenden Haus umgeschaut und habe erschrocken reagiert. Sie habe, so Herfurth weiter, darum gebeten, auf die beiden Katzen, die sie in K\u00f6rben bei sich trug, aufzupassen. Die Nachbarin habe die K\u00f6rbe abgestellt und sei anschlie\u00dfend davongegangen.<\/p>\n<p>Herfurth berichtet, dass sie heute wei\u00df, dass es sich bei ihrer Nachbarin um Beate Zsch\u00e4pe gehandelt habe, damals habe sie Zsch\u00e4pe nicht namentlich gekannt, sondern nur vom Sehen. Mit den Katzen habe Herfurth dann bis in die Abendstunden ausgeharrt, zwischenzeitlich h\u00e4tten sich Leute vom Ordnungsamt nach den Katzen erkundigt. Sie w\u00fcrden die Katzen mitnehmen, wenn sie nicht abgeholt werden. Auf Nachfrage erkl\u00e4rt Herfurth, dass die \u00dcbergabe der Katzen durch Zsch\u00e4pe m\u00f6glicherweise auch von einer Frau mit Kind beobachtet worden sei, Herfurth erinnert sich noch an ein kurzes Gespr\u00e4ch mit ihr. Herfurth wird auch nach Polizeistreifen im Viertel befragt. Sie antwortet, dass sie nicht sagen k\u00f6nne, ob es diese \u00bb\u00f6fters\u00ab als anderswo gegeben habe. Auch auf Nachfrage erkl\u00e4rt Herfurth, dass sie sich nicht konkret an den Einzug des Trios erinnern k\u00f6nne, zum Zeitpunkt des Brandes sei er vier oder f\u00fcnf Jahre her. Die Zeugin berichtet, dass es Gespr\u00e4che zum weiteren Umgang mit dem Geb\u00e4ude gegeben habe, da h\u00e4tte sie und ihre Familie sich eher rausgehalten. Ihre Meinung sei gewesen: abrei\u00dfen, damit das seinen Frieden findet.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes wird Lutz Winkler vernommen. Er bewohnte zum Brandzeitpunkt eine Wohnung in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26a. Winkler verzichtet auf eine selbstst\u00e4ndige Schilderung des Geschehens, er w\u00fc\u00dfte nicht, was er berichten solle. Daraufhin beginnt sofort die Befragung. Winkler erkl\u00e4rt, dass er am 4.11.2011 bei seiner Lebensgef\u00e4hrtin in der Wohnung gewesen sei. Ein Nachbar habe am Nachmittag geklingelt und gesagt, dass es \u00bbbei euch\u00ab in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe brenne. Daraufhin habe er sich die etwa 300 Meter zum Brandort begeben, wo die Polizei bereits abgesperrt habe und viele Schaulustige gestanden h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Er habe dem Einsatzleiter mitgeteilt, wo der Gashauptanschluss des Hauses gewesen sei. Er sei zwischen 15:30 Uhr bis etwa 21 Uhr vor Ort gewesen. Auf die Frage mit wem er da gesprochen habe, antwortet er, dass es das heute doch nicht mehr wisse. Er habe mit einem Polizeibeamten gesprochen, dabei ging es darum, wer im Haus wohnt und wo man ersatzweise unterkommen k\u00f6nne. Die Frage, ob er derjenige gewesen sei, der die Mobilfunknummer von \u00bbSusann Dienelt\u00ab (eine Tarnidentit\u00e4t von Beate Zsch\u00e4pe) an die Polizei weitergeben habe, verneint Winkler zun\u00e4chst. Auf den Vorhalt, dass die Polizeiunterlagen etwas anderes sagen, fragt Winkler, woher er denn die Nummer gehabt haben soll. Susann Dienelt habe er zwangl\u00e4ufig gekannt, schlie\u00dflich seien sie Nachbarn gewesen.<\/p>\n<p>Winkler berichtet, dass er sich nach Absprache mit der Hausverwaltung um Rasenm\u00e4hen, Schneeschippen und das Herausstellen der M\u00fclltonnen gek\u00fcmmert hat. Er sei aber kein Hausmeister gewesen. Auf die Frage nach Kontakten zu den Nachbarn, antwortet Winkler: \u00bbNein, gar nicht.\u00ab Er erz\u00e4hlt weiter, dass es nur mal ein \u00bbHallo\u00ab gegeben habe, oder eine Frage nach der Nutzung einer W\u00e4schespinne. Er sei von Dienelt nach einem Rohrbruch angesprochen worden, ob er sich das mal anschauen k\u00f6nne. Er habe daraufhin nur einen kurzen Blick in den Flur geworfen, gesehen, dass dort Wasser die Decke herunter gelaufen sein und habe anschlie\u00dfend die Verwaltung informiert. Den Einzug des Trios datiert Winkler auf \u00bbvielleicht 2008, 2009\u00ab. Winkler berichet, dass sie viel mit dem Fahrrad gefahren seien, eher nicht mit eigenen Fahrzeugen. Au\u00dferdem sei etwa einmal im Monat die Schwester von Dienelt mit ihren Kindern vorbeigekommen. Zu den Familienverh\u00e4ltnissen von Zsch\u00e4pe befragt, berichtet Winkler, dass es junge Leute gewesen seien, \u00bbLeute, wie du und ich\u00ab. Sie sei Sekret\u00e4rin bei ihrem Vater oder Schwiegervater, ihr Freund sei Kraftfahrer gewesen.<\/p>\n<p>Winkler wird auch zu seinen Mobiltelefonen befragt, hier verstrickt er sich recht offensichtlich in Widerspr\u00fcche bzw. weicht Fragen aus. So meint er, dass er seine heutige Mobiltelefonnummer 2011 noch nicht besessen habe, auf einen Aktenvorhalt, der das Gegenteil nahe legt, antwortet er: \u00bbWas soll ich dazu sagen?\u00ab. Auf die Nachfrage, ob er sich vielleicht nur geirrt habe, reagiert er br\u00fcsk: \u00bbWoher soll ich das wissen? Schreib ich mir das alles auf?\u00ab Immer wieder drehen sich die Fragen des Untersuchungsausschuss um die Frage, wie die Polizei die Nummer von Susann Dienelt erhalten hat. Winkler schlie\u00dft auf Nachfrage nicht aus, dass er sie m\u00f6glicherweise in Unterlagen gehabt haben k\u00f6nnte. Er kann auch nicht ausschlie\u00dfen solche Unterlagen der Polizei \u00fcbergeben zu haben, er kann sich aber nicht daran erinnern. Nicht erinnerlich ist ihm auch, dass es bei den Gespr\u00e4chen mit der Polizei auch um eine Beschreibung des Aussehens von \u00bbSusann Dienelt\u00ab gegangen sei. Winkler war bis zum Aktenvorhalt der Meinung, es sei nur um organisatorische Fragen f\u00fcr die Hausbewohner gegangen. Bei einer weiteren Frage zur Telefonnummer von \u00bbSusann Dienelt\u00ab erw\u00e4hnt Winkler ein schwarzes Brett im Haus, dort habe man seine Telefonnummer eintragen k\u00f6nnen, f\u00fcr den Fall, dass in Abwesenheit etwas passiere. Ihm sei aber nicht erinnerlich, dass die Nummer von Dienelt dort gestanden habe. Ausschlie\u00dfen kann Winkler, dass er die Telefonnummer besessen habe. Daran dass er die Nummer an die Polizei gegeben habe soll, kann er sich nicht erinnern.<\/p>\n<p>Die Frage, ob er sich f\u00fcr die heutige Befragung vorbereitet habe, verneint Winkler. Er habe ein paar Artikel aus der Freien Presse ausgeschnitte, die seiner Meinung nach viel Komisches geschrieben habe. Er frage sich au\u00dferdem, warum er immer herangezogen werde zu Befragungen: \u00bbDas geht mir langsam auf den Keks.\u00ab Er habe Verdienstausf\u00e4lle, m\u00fcsse immer eine Freistellung erzwingen. Der Ausschussvorsitzende erwidert, dass noch nicht klar sei, ob er sich nicht erinnere oder ob er sich nicht erinnern will. Nach einer kurzen Unterbrechung, wird Winkler gefragt, ob er bedroht werde. Er verneint und fragt, wer ihn bedrohen solle.<\/p>\n<p>Die Zeugenvernehmung wird zun\u00e4chst f\u00fcr heute unterbrochen. Ob Winkler erneut geladen wird, bleibt offen, sein wenig glaubw\u00fcrdiges Aussageverhalten l\u00e4sst am Sinn einer weiteren Fragerunde zweifeln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 Zeugin Frau Antje Herfurth Zeuge Herr Lutz Winkler Im Mittelpunkt des Untersuchungsausschuss steht nach wie vor der Brand in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26. Heute sind erstmals Nachbar*innen zur Vernehmung geladen. Antje Herfurth ist 43 Jahre alt und lebt in Zwickau. 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