{"id":72,"date":"2016-09-22T18:32:30","date_gmt":"2016-09-22T16:32:30","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=72"},"modified":"2016-11-02T16:48:12","modified_gmt":"2016-11-02T15:48:12","slug":"bericht-10-sitzung-18-april-2016","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2016\/09\/22\/bericht-10-sitzung-18-april-2016\/","title":{"rendered":"Bericht 10. Sitzung, 18. April 2016"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Zeuge Herr Walther, Polizeibeamter (bereits geladen und vernommen am 14.09.2015)<\/div>\n<\/li>\n<li class=\"level1\">\n<div class=\"li\">Zeuge Herr Hellinger, Polizeibeamter<\/div>\n<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Erneut geht es um die Ermittlungen zum Brandgeschehen in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe. Zuerst wird die Befragung von Kriminalhauptkommissar Walther fortgesetzt. Hier steht das Telefonat zwischen einem Handy der Polizei und dem Handy von Beate Zsch\u00e4pe im Mittelpunkt. Die Befragung bringt aber kaum neues ans Licht. Im zweiten Teil wird der Brandursachenermittler geh\u00f6rt, der als erstes am Brandort eintraf und auch sp\u00e4ter an den Ermittlungen beteiligt war.<\/em><\/p>\n<p>KHK Walther arbeitet beim Kriminaldauerdienst (KDD) in Zwickau, dort war er auch am 4.11.2011 eingesetzt. Er ermittelte mit seinem Kollegen F. am Brandort als erster zu m\u00f6glichen Hintergr\u00fcnden des Brandgeschehens. Er war bereits am 14.09.2015 vor den Untersuchungsausschuss geladen. Damals best\u00e4tigte Walther, dass es sich um das Mobilelefon des Kriminaldauerdienstes handelte, von dem am 4.11.2011 um 16:32 Uhr erstmals der Anschluss von Beate Zsch\u00e4pe angerufen wurde. Er best\u00e4tigte weiterhin, dass zu dieser Zeit nur er selbst und niemand anderes das fragliche Mobiltelefon genutzt habe. Jedoch schlo\u00df Walther in der Befragung ausgehend von seiner Erinnerung aus, dass er die Nummer erhalten habe. Er k\u00f6nne sich zudem nicht daran erinnern, den Anruf get\u00e4tigt zu haben. Nach dieser ersten Vernehmung meldete sich Walther erneut beim Untersuchungsausschuss. Er habe sich inzwischen mit den Presseberichten auseinandergesetzt, die ihm diesen Anruf zuschreiben. Er folgerte daraus, dass er die Nummer von Zsch\u00e4pe doch gehabt habe und den Anruf get\u00e4tigt haben m\u00fcsse &#8211; daran erinnere er sich jedoch nicht mehr. Der Untersuchungsausschuss entschied sich f\u00fcr eine erneute Vorladung des Zeugen.<\/p>\n<p>Walther berichtet in der heutigen Sitzung, dass er sich nicht mehr an alle Teile seiner Aussage im September 2015 erinnern k\u00f6nne. Er wisse von einem Presseartikel, in dem von einer telefonischen Verbindung zwischen dem Mobiltelefon des Kriminaldauerdienstes und dem von \u00bbSusann Dienelt\u00ab (eine Tarnidentit\u00e4t von Beate Zsch\u00e4pe) um 16:32 Uhr berichtet worden sei. Er sagt aus, dass er zur fraglichen Zeit die alleinige Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber das Telefon gehabt habe. Auf die Frage, woher die Nummer von Zsch\u00e4pe stamme, antwortet Walther, dass er das versucht habe zu rekonstruieren: sie k\u00f6nne nur vom Hausmeister \u00fcbergeben worden sein. Der Hausmeister habe laut Aktenvermerk Winkler gehei\u00dfen. Da er aber in den zur\u00fcckliegenden viereinhalb Dienstjahren etwa 2000 Eins\u00e4tze gefahren sei und genausoviele Leute getroffen habe, kann er sich nicht mehr konkret erinnern. Walther schlie\u00dft nicht aus, dass Kollegen der Schutzpolizei, etwa Kollege S., den Hausmeister zuvor bereits befragt haben. Es k\u00f6nne auch sein, dass der Kollege S. bei der Befragung von Herrn Winkler dabei gewesen sei. Ob Herr Winkler Herr Dienelt als Bewohner der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 benannt habe, sei Walther nicht mehr erinnerlich. Ebenso, ob der Hausmeister noch weitere Telefonnummern genannt habe. Walther geht auch davon aus, dass er den Anwahlversuch bei \u00bbSusann Dienelt\u00ab mit dem Leiter des KDD als Dienstvorgesetzten abgesprochen habe. Die Frage, ob gezielt Kollege Hellinger als Brandursachenermittler angefragt wurde, verneint Walther: wer zust\u00e4ndig sei, ist allein davon abh\u00e4ngig, wer ans Telefon geht.<\/p>\n<p>Walther wird nach etwa 30 Minuten Befragung entlassen.<\/p>\n<p>Der zweite Zeuge des Tages ist Gert Hellinger, ein mittlerweile seit drei Jahren pensionierter Polizeibeamter. Brandursachenermittler (BUE) sei er erst nach der Wiedervereinigung geworden, vorher sei er bei der Transportpolizei t\u00e4tig gewesen, die dann dem Bundesgrenzsschutz angegliedert wurde. Da die Brandursachenermittlung zu DDR-Zeiten in der Hand der Feuerwehr gelegen habe, gab es bei der Kriminaltechnik der Polizei einen Mangel an BUE. Er habe sich gemeldet und sei dann von einem Kollegen angelernt worden, der von der Feuerwehr zur Kriminaltechnik gewechselt sei, und habe sich zudem die T\u00e4tigkeit \u00fcber die Jahre angeeignet. Insgesamt habe es in der Polizeidirektion Zwickau f\u00fcnf BUE gegeben, die aber nur teilweise als BUE ausgebildet gewesen seien.<\/p>\n<p>Am 4.11.2011 habe er als Brandursachenermittler Bereitschaftsdienst gehabt und sei vom Polizeif\u00fchrer Kriminalpolizei zum Brand an die Fr\u00fchlingsstra\u00dfe gerufen worden. Er habe nicht regul\u00e4r Dienst gehabt, sondern den Kollegen Lenk vertreten. Diesen habe er 16:30 Uhr informiert und der habe dann gegen 19 Uhr die Ermittlungen \u00fcbernommen. Hellinger berichtet, dass die Feuerwehr bereits am L\u00f6schen gewesen sei, als er den Brandort erreicht habe. Aufgrund von Einsturzgefahr habe er sich nur von au\u00dfen einen \u00dcberblick \u00fcber den Brandort verschafft und mit dem Fotoapparat Bildaufnahmen gefertigt. Da es eine Explosion gegeben haben soll, habe er sich zun\u00e4chst auf die Suche nach einem Gasanschluss gemacht. Im begehbaren und nicht einsturzgef\u00e4hrdeten Keller der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 gab es jedoch keinen. Auf Nachfrage erkl\u00e4rt Hellinger noch, dass auch auf der R\u00fcckseite des Hauses Polizisten den Zugang \u00fcberwacht haben. Im Keller des direkt angrenzenden Hauses Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26a habe er eine Heizung mit Gasanschluss vorgefunden, dort habe es aber keine Gasverbindung zur Fr\u00fchlingstra\u00dfe 26 gegeben. Die Explosion, so schlussfolgert Hellinger, m\u00fcsse anders ausgel\u00f6st worden sein.<\/p>\n<p>Er habe auch von der Drehleiter der Feuerwehr Bildaufnahmen gefertigt. Wegen der Einsturzgefahr habe die Feuerwehr einen Bagger bestellt. Die Arbeit mit dem Bagger sei schlecht f\u00fcr die Spurensicherung, weil mit einem Bagger nicht viel \u00fcbrig bleibe, so Hellingers Einsch\u00e4tzung. Entsprechend habe im Nachhinein der Branschutt durchgesiebt werden m\u00fcssen. Die Entscheidung zum Einsatz des Baggers sei ihm nur mitgeteilt wurden, wer sie getroffen hat, wisse er nicht. Mit dem Baggerfahrer habe er nicht gesprochen, erkl\u00e4rt Hellinger auf Nachfrage. Gearbeitet habe er bis zum fr\u00fchen Samstagmorgen um 3 Uhr an der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe, die Dienststelle habe er laut Arbeitszeitnachweis um 4:30 Uhr verlassen.<\/p>\n<p>Am Samstag sei er gegen 10 Uhr am Brandort eingetroffen. Die Feuerwehr habe zu der Zeit die Decken der Wohnung abgest\u00fctzt. Die \u00bbRegie\u00ab habe Kollege Lenk gehabt. Sie h\u00e4tten zun\u00e4chst die Wohnung begangen und alles fotografiert. Einbruchsspuren seien ihnen dabei keine aufgefallen. Dabei habe er mit Lenk den Wandtresor gefunden, in dem sich eine Waffe und eine Handfessel mit eingestanzter Nummer befunden habe. Am Montag habe sich herausgestellt, dass es die Handfessel von Michel Kiesewetter war.<\/p>\n<p>Die Fotos vom Brandort habe er alle an BUE Lenk weitergeben, an dessen Abschlussbericht er aber nicht mitgewirkt habe, erkl\u00e4rt Hellinger auf Nachfrage. An der Befragung von Anwohnern sei er nicht beteiligt gewesen, dass sei Aufgabe des KDD. Als BUE seien sie f\u00fcr die \u00bbobjektive Seite\u00ab des Brandes zust\u00e4ndig, nicht f\u00fcr die \u00bbsubjektive\u00ab. Bis einschlie\u00dflich 10. November sei er jeden Tag am Brandort eingesetzt gewesen, ein weiteres Mal am 17. November 2011. Dabei sei es unter anderem um die Durchsuchung des Brandschutthaufens gegangen, den er mit den Kollegen, darunter zwei weitere Brandursachenermittler und ein Kollegen aus Baden-W\u00fcrttemberg, mit Hilfe von Mauererkellen durchgesiebt habe. Hellinger selbst, habe dabei Munition gefunden. Die Asservierung habe in der Garage der Polizeidirektion stattgefunden, am Brandort seien die Fundst\u00fccke nur einget\u00fctet worden.<\/p>\n<p>Seiner Meinung nach war der Einsatz zumindest am Anfang nicht au\u00dfergew\u00f6hnlich, es sei eine \u00bbstinknormale Explosion mit Brandfolge\u00ab gewesen. Wobei eine Explosion eigentlich noch gr\u00f6\u00dfer sei, der Brand in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe sei ein \u00bbZwischending\u00ab zwischen Explosion und Verpuffung gewesen. Als Ursache blieb nach Einsch\u00e4tzung von Hellinger nur Benzin, da keine Gasleitung vorhanden gewesen sei und auch keine Gasflasche gefunden worden sei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 Zeuge Herr Walther, Polizeibeamter (bereits geladen und vernommen am 14.09.2015) Zeuge Herr Hellinger, Polizeibeamter Erneut geht es um die Ermittlungen zum Brandgeschehen in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe. Zuerst wird die Befragung von Kriminalhauptkommissar Walther fortgesetzt. 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