{"id":258,"date":"2017-11-24T13:39:31","date_gmt":"2017-11-24T12:39:31","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=258"},"modified":"2017-11-24T14:49:39","modified_gmt":"2017-11-24T13:49:39","slug":"bericht-26-sitzung-13-november-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/11\/24\/bericht-26-sitzung-13-november-2017\/","title":{"rendered":"Bericht 26. Sitzung &#8211; 13. November 2017"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio<\/li>\n<li><a href=\"#kleim\">Zeuge Friedhelm Kleimann<\/a>, ehemals LKA Th\u00fcringen<\/li>\n<li><a href=\"#wieszner\">Zeuge Norbert Wie\u00dfner<\/a>, ehemals LfV Th\u00fcringen<\/li>\n<\/ul>\n<h4 id=\"kleim\">Bei der \u00bbInternen\u00ab verschlissen, dann zum Staatsschutz<\/h4>\n<p>Der erste Zeuge, der heute dem s\u00e4chsischen Untersuchungsausschuss Rede und Antwort steht, ist der ehemalige Kriminalhauptkommissar Friedhelm Kleimann. Er gibt an, dass er mittlerweile seit zehn Jahren im Ruhestand ist.<\/p>\n<p>Zum Untersuchungsgegenstand des Ausschusses berichtet er zun\u00e4chst, dass er im Januar 2002 zur Staatsschutzabteilung des LKA in Erfurt gekommen sei, nachdem er zuvor bereits f\u00fcnf Jahre lang beim Landeskriminalamt Th\u00fcringen t\u00e4tig gewesen sei. Dort habe er zun\u00e4chst im Bereich Wirtschaftskriminalit\u00e4t gearbeitet und sei dann im Bereich Interne Ermittlungen t\u00e4tig gewesen. Er habe sich schlie\u00dflich bewu\u00dft \u00bbumsetzen\u00ab lassen, da er dort vom Dezernatsleiter \u00bbverschlissen\u00ab worden sei. Erfahrungen auf dem Gebiet des Staatsschutzes habe er bis dahin noch nicht gehabt.<\/p>\n<p>In der Staatsschutzabteilung seien ihm dann die Akten der Zielfahndung \u00fcber die Suche nach den untergetauchten \u00bbNSU-Mitgliedern\u00ab B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe \u00fcbergeben worden. Er habe \u00fcberpr\u00fcfen sollen, ob sich anhand der Akten der Aufenthaltsort der Gesuchten finden lasse. Ihm seien daf\u00fcr \u00bbsieben Leitz-Ordner\u00ab der Zielfahndung \u00fcbergeben worden, au\u00dferdem Duplikate der Sachbearbeitungs-Akten der EG Tex [hier evtl.: Link zum Sitzungsbericht <em>Dressler<\/em>]. Die Akten seien auf dem Stand von August 2001 gewesen. Bis Kleimann sie \u00fcbernommen habe, h\u00e4tten sie \u00bbein halbes Jahr unber\u00fchrt herumgestanden.\u00ab Er habe dann auch nicht \u00bbTag f\u00fcr Tag\u00ab an den Fahndungsakten gesessen, sondern noch andere Auftr\u00e4ge bearbeitet.<\/p>\n<h4>Aktenf\u00fchrung: ungen\u00fcgend<\/h4>\n<p>Zun\u00e4chst habe er sich anhand der \u00bbSachakten\u00ab in das Thema eingearbeitet. Deutlich geworden sei, dass \u00bbdie\u00ab in Jena untergetaucht seien und sich nach Chemnitz abgesetzt h\u00e4tten. Die Zielfahndung habe dann Fahndungsma\u00dfnahmen veranlasst: \u00bbAlles konzentrierte sich auf Chemnitz\u00ab, erl\u00e4utert Kleimann.\u00a0 Im Laufe der Zeit habe es etwa 30 bis 35 TK\u00dc-Ma\u00dfnahmen gegeben. Die zugeh\u00f6rigen Beschl\u00fcsse seien jeweils \u00fcber die Staatsanwaltschaft Gera beantragt worden. In den Akten sei auch das LfV Th\u00fcringen erw\u00e4hnt gewesen, das mit dem LfV Sachsen ebenfalls an der Suche mitgewirkt habe.<\/p>\n<p>Den Zustand der Akten bem\u00e4ngelt Kleimann, sie seien \u00bbunordentlich\u00ab gewesen. TK\u00dc-Berichte seien lediglich \u00bbzu- oder angeheftet\u00ab gewesen. Au\u00dferdem habe es Einheftungen ohne erkl\u00e4renden Vermerk gegeben. Dem Zeugen seien etwa zwei \u00bbFernschreiben aus Sachsen\u00ab aufgefallen, \u00fcber Bank\u00fcberf\u00e4lle in Sachsen, die \u00bbeinige Jahre her\u00ab gewesen sein sollen. Kleimann erkl\u00e4rt, er habe nicht eingesehen, hier die zust\u00e4ndigen Dienststellen anzurufen. Denn er h\u00e4tte sie nur auf B\u00f6hnhardt,\u00a0 Mundlos und Zsch\u00e4pe hinweisen k\u00f6nnen. Letztlich w\u00e4re deren Anwesenheit \u00bbaber nicht zu \u00fcberpr\u00fcfen gewesen\u00ab, daher, so Kleimann weiter, sei das \u00bbBl\u00f6dsinn\u00ab.<\/p>\n<h4>\u00dcberf\u00e4lle zur Finanzierung: \u00bbNein, der Gedanke war nicht da.\u00ab<\/h4>\n<p>Kleimann verneint auch die Frage, ob er den Gedanke hatte, dass sich die Untergetauchten mit \u00dcberf\u00e4llen finanzieren. \u00bbNein, der Gedanke war nicht da\u00ab, berichtet Kleimann und erz\u00e4hlt dann von einem Gespr\u00e4ch im Zuge seiner Befragung durch die Sch\u00e4fer-Kommission \u2013 und macht damit einen gro\u00dfen zeitlichen Sprung, denn das Gespr\u00e4ch hat erst Ende 2011 oder Anfang 2012 stattgefunden haben. Dort habe ihm \u00bbDr. Sch\u00e4fer\u00ab zwei \u00bbZettelchen\u00ab hingewiesen, auf denen jeweils zu lesen war: \u00bbBrauchen Geld\u00ab, auf einem dritten habe dann gestanden: \u00bbBrauchen kein Geld mehr, haben Arbeit gefunden.\u00ab<\/p>\n<p>Aufgrund der anstehenden Verj\u00e4hrung der Straftaten, wegen denen die drei Gesuchten belangt werden sollten, habe er auch Kontakt zum LKA Sachsen gesucht, so Kleimann. Mit dem Kollegen <a href=\"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/11\/24\/bericht-25-sitzung-20-oktober-2017\/\">J\u00fcrgen Dressler<\/a> sei er in Dresden gewesen, dort seien sie aber an die Kollegen der Au\u00dfenstelle Chemnitz verwiesen worden. Im Fr\u00fchjahr 2002 habe man die vier bis f\u00fcnf Kollegen kontaktiert und auch vor Ort getroffen. Zielstellung, so Kleimann, sei gewesen, Fahndungshindernisse herauszuarbeiten. Insgesamt sei er \u00bbdrei-, vier-, f\u00fcnfmal\u00ab in Chemnitz gewesen, um sich mit \u00bbden Kollegen\u00ab zu treffen. Gefragt nach der Qualit\u00e4t der Zusammenarbeit, antwortet Kleimann: \u00bbMeine Anfragen wurden beantwortet. Mehr kann ich dazu nicht sagen.\u00ab Durchscheinen lies Kleimann, dass die s\u00e4chsischen Kollegen sich nicht immer Zeit f\u00fcr sein Anliegen nehmen wollten: Ihm sei n\u00e4mlich durch die Au\u00dfenstelle signalisiert worden, dass die Kollegen \u00bbsehr oft\u00ab im Erzgebirge zu tun h\u00e4tten.<\/p>\n<h4>Verwechslung in Chemnitz?<\/h4>\n<p>Kleimann wird nach einem Vorfall am 23. Juli 2002 gefragt. Was er damals erlebte, sei \u00bbziemlich einschneidend\u00ab gewesen: Er sei an dem Tag in Chemnitz gewesen, war um einen vermeintlichen Onkel von Beate Zsch\u00e4pe aufzusuchen. Da der Ladestand seines Mobiltelefon immer kleiner wurde, habe er sich zum Einkaufscenter Sachsen-Allee begeben, um Batterien zu kaufen. Dort habe er, als die Rolltreppe hochgefahren sei, ein P\u00e4rchen in einem Caf\u00e9 sitzen sehen und habe \u00bbdort\u00a0 &#8216;nen totalen Schrecken\u00ab bekommen. Der Grund: die verbl\u00fcffende \u00c4hnlichkeit des P\u00e4rchens mit Uwe B\u00f6hnhardt und Beate Zsch\u00e4pe. Kleimann erkl\u00e4rt, dass oben angekommen rechts abgebogen sei und aus der Ferne nochmal geschaut habe. Eine \u00dcberpr\u00fcfung \u00bballein\u00ab schien ihm allerdings \u00bbzu schwer\u00ab, deswegen habe er erst die LKA-Kollegen in Chemnitz kontaktiert, die aber anderweitig unterwegs gewesen seien. Er habe dann bei der Polizeidirektion angerufen und nach etwa 20 Minuten traf eine Streifenwagenbesatzung ein.<\/p>\n<p>Zusammen mit den Streifenbeamten habe Kleimann das Paar angesprochen: \u00bbTag Frau Zsch\u00e4pe, Tag Herr B\u00f6hnhardt!\u00ab Die beiden Personen h\u00e4tten sich mit Dokumenten ausweisen k\u00f6nnen, die \u00bbEnde der 1990er\u00ab ausgestellt wurden. Die Namen wisse er allerdings nicht mehr, das Paar habe damals \u00bbim Frankenland\u00ab gewohnt. Beide seien trotzdem mit auf die Dienststelle genommen worden, wo ihre Fingerabdr\u00fccke im Rahmen einer Erkennungsdienstlichen Behandlung \u00fcberpr\u00fcft worden sind.<\/p>\n<p>Beim Abnehmen und Abgleichen der Fingerabdr\u00fccke des Sachsen-Allee-P\u00e4rchens sei er nicht selbst im Raum gewesen. Der Abgleich mit der Fingerabdruckdatei sei \u00fcber das <a href=\"#1stern\">BKA*<\/a> gelaufen. Ein Zusammenhang zu B\u00f6hnhardt und Zsch\u00e4pe habe sich jedoch nicht best\u00e4tigt, so Kleimann. Er erkl\u00e4rt, dass er \u00bbdie Antwort akzeptieren\u00ab musste, daher habe er sich f\u00fcr die Umst\u00e4nde bei beiden Personen entschuldigt und sie gehen lassen.<\/p>\n<p>Eine Nachfrage zielt auf einen Bericht Kleimanns, in dem er bereits vorher erwogen habe, sich bei den Verfassungschutz\u00e4mtern in Th\u00fcringen und Sachsen zu erkundigen, ob den drei Untergetauchten neue Identit\u00e4ten ausgestellt worden seien. Die Abgeordnete K\u00f6ditz will wissen, woher diese Vermutung r\u00fchre. Kleimann verweist zun\u00e4chst auf das \u00bb\u00e4hnliche Aussehen\u00ab des P\u00e4rchens. Wie er aber zu seiner fr\u00fcheren Vermutung hinsichtlich m\u00f6glicher neuen Identit\u00e4ten gekommen ist, dass k\u00f6nne er nicht mehr sagen. Dabei k\u00f6nnte es sich auch um \u00bballgemeine\u00ab Anregungen gehandelt haben. F\u00fcr ihn sei die Frage abschlie\u00dfend gekl\u00e4rt und er habe keinen Zweifel an der Richtigkeit der Angaben. Er habe jedoch auch nicht ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen, dass es solche neuen Identit\u00e4ten gegeben habe, da er keine Hausdurchsuchung und \u00dcberpr\u00fcfung der Familien vorgenommen habe. Das w\u00fcrde aber bedeuten, dass die Identit\u00e4ts\u00e4nderung auch beim Bundeskriminalamt h\u00e4tte erfolgen m\u00fcssen. Auch nachtr\u00e4glich sei das kaum zu \u00fcberpr\u00fcfen, so Kleimann, die Bilder der ED-Behandlung \u00bbm\u00fcssten vernichtet worden sein, denke ich mal.\u00ab Falls nicht, dann w\u00e4ren sie in der EDV-Abteilung in Chemnitz zu finden. Insgesamt blieb Kleimann indifferent bei der Frage, ob damit alle Zweifel f\u00fcr ihn ausger\u00e4umt waren.<\/p>\n<h4>Ein nichtexistenter Onkel<\/h4>\n<p>Der eigentliche Anlass seines Aufenthalts in Chemnitz, ein Termin bei einem Onkel von Zsch\u00e4pe, habe sich als Irrtum herausgestellt. Die Person, die er befragen wollte, sei nicht mit Beate Zsch\u00e4pe verwandt gewesen. Dessen Nachname war um ein \u00bbP\u00ab umfangreicher als Zsch\u00e4pes Geburtsname \u00bbApel\u00ab. Kleimann sagt aus, dass er sich frage, \u00bbwarum man diese Spur \u00fcberhaupt anlegt, wenn sich der Name anders schreibt.\u00ab Er sah die Sache damit als erledigt an.<\/p>\n<p>Zur Frage, wie man auf Mandy Struck gesto\u00dfen sei und wieso ihre Wohnung in der Bernhardstra\u00dfe zum Ziel von Observationsma\u00dfnahmen wurde, kann Kleimann keine Antwort liefern: \u00bbDas kann ich nicht mehr sagen.\u00ab Angesprochen auf das <a href=\"#2stern\">\u00bbUmzugshelfer-Foto\u00ab**<\/a> aus Mai 2000, sagte er, dass nach seiner Auffassung dort eine Ma\u00dfnahme h\u00e4tte veranlasst werden m\u00fcssen, um die fragliche Person direkt zu kontrollieren.<\/p>\n<p>Aufgesucht und befragt habe er Jan Werner \u2013 als einzige Person im Rahmen seiner Nachermittlungen. Der Akte habe er nicht entnehmen k\u00f6nnen, warum Werners Telefonanschluss vormals \u00fcberwacht worden war. Werner habe bei seiner Mutter gelebt, erinnert sich der Kriminalbeamte. Bei der Befragung habe er \u00bbtotal gelogen\u00ab und geleugnet B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe \u00fcberhaupt zu kennen. F\u00fcr Kleimann sei das allerdings ein Indiz gewesen, dass er in Kontakt mit dem Trio gestanden haben muss.<\/p>\n<p>Nicht ergiebig sei auch ein Kontakt zu einem KHK R. aus Sachsen gewesen, der beim Chemnitzer FC als Fanbeauftragter gearbeitet habe. Kleimann erkl\u00e4rt, im Zuge seiner Gespr\u00e4che mit den Chemnitzer LKA-Kollegen habe er erfahren, dass KHK R. regelm\u00e4\u00dfig bei Ausw\u00e4rtsfahrten und Spielen des Fussballvereins vor Ort ist und es dort \u00bbrechtsradikale Fans\u00ab gebe. Deswegen habe er ihn aufgesucht und darum gebeten, informiert zu werden, sollte er von Hinweisen zum Verbleib des untergetauchten Trios erfahren \u2013 \u00bbvielleicht hat er auch einen Vertrauensmann bei den Fans\u00ab. Eine R\u00fcckmeldung habe es dann aber nicht gegeben.<\/p>\n<h4>\u00bbFalschaussage\u00ab vom Th\u00fcringer Zielfahnder<\/h4>\n<p>Kleimann erg\u00e4nzt auch noch, dass er bei seiner fr\u00fcheren Arbeit in der Innenrevision \u00bbganz kurioserweise\u00ab in Kontakt mit Ralf Wohlleben und \u00bbPatrick\u00ab [gemeint: Andr\u00e9, Anm. NSU Watch Sachen] Kapke gekommen sei. Sie h\u00e4tten Polizeibeamte wegen Freiheitsberaubung angezeigt, nachdem sie wegen St\u00f6rungen bei Demonstrationen \u00bbeinkassiert\u00ab worden sein. In Folge der Anzeigen seien die beiden zu Aussagen bei ihm gewesen.<\/p>\n<p>Seine Aufarbeitung der Zielfahndungs-Akten habe insgesamt bis zum Herbst 2002 gedauert. Danach habe er nur noch \u00bbmit Ausl\u00e4ndern zu tun gehabt\u00ab, da die Dezernate neu aufgeteilt worden seien. Kleimann erkl\u00e4rt, dass er es nicht so empfunden habe, dass er vom Fall \u00bbabgezogen\u00ab wurde: \u00bbF\u00fcr mich war meine Arbeit so weit ausgereizt.\u00ab Er habe die Akten an an Herrn Dressler zur\u00fcckgegeben.<\/p>\n<p>Im Jahr 2011 sei ihm dann vorgeworfen wurden, so Kleimann, dass die Akten nicht mehr vollst\u00e4ndig seien und er sie \u00bbverstreut\u00ab habe. Er hingegen sieht die Nachl\u00e4ssigkeit bei der Zielfahndung: Die Akten seien \u00bbnicht nummeriert\u00ab gewesen, daher k\u00f6nne er auch nicht sagen, ob etwas gefehlt habe. Er selbst bestreitet, die gesichteten Akten jemals ver\u00e4ndert zu haben: \u00bbNein, niemals.\u00ab Heute wisse er jedoch, dass <a href=\"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/03\/10\/ueber-hundert-sms-des-nsu-unterstuetzers-jan-werner-verschwunden-aktenmanipulation\/\">\u00bb124 SMS fehlen\u00ab, und zwar von Jan Werner<\/a>. Die Akten h\u00e4tten in einem \u00bbUmzugskarton\u00ab unter seinem Schreibtisch gestanden, dass dort jemand dran war, k\u00f6nne er nicht ausschlie\u00dfen. Aussagen des Th\u00fcringer Zielfahnders Sven Wunderlich, Kleimann habe die Akten durch \u00bbKopieraktionen\u00ab ver\u00e4ndert, bewerte er als \u00bbFalschaussage\u00ab.<\/p>\n<h4 id=\"wieszner\">Der \u00bboperative Part\u00ab: Norbert Wie\u00dfner<\/h4>\n<p>Nach der gut zweist\u00fcndigen Aussage folgt die Befragung Norbert Wie\u00dfners, der von 1993 bis 2000 beim LfV Th\u00fcringen gearbeitet hat. Seit 1998 habe er im Referat Rechtsextremismus den \u00bboperativen Part, also die Quellenf\u00fchrung\u00ab verantwortet. Im Juli 2001 ist er dann zur LKA-Abteilung f\u00fcr Verdeckte Ma\u00dfnahmen gewechselt und wurde dann pl\u00f6tzlich zum Vorgesetzten des Zielfahnders Sven Wunderlich.<\/p>\n<p>Wie\u00dfner erkl\u00e4rt eingangs, er habe bereits mehrfach ausgesagt, unter anderem in Berlin vor dem dortigen Untersuchungsausschuss des Bundestags und in M\u00fcnchen vor dem Oberlandesgericht. In den letzten anderthalb Jahren beim LfV Th\u00fcringen habe er die V-Person Tino Brandt gef\u00fchrt, den er urspr\u00fcnglich auch angeworben hatte. Brandt war \u00bbeiner der F\u00fchrungskader des THS\u00ab (Th\u00fcringer Heimatschutz) und habe dem LfV einen \u00bbguten Einblick in die Szene\u00ab gew\u00e4hrt \u2013 dann \u00bbkam die fatale Geschichte mit der Flucht\u00ab. Brandt sei als \u00bbnachrichtenehrlich\u00ab einsch\u00e4tzt worden. Zum Beweisthema f\u00fchrt Wie\u00dfner nur kurz aus, dass das LfV Th\u00fcringen in die Suche nach B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe involviert war. F\u00fcr die Beh\u00f6rden in Th\u00fcringen sei vereinbart gewesen, dass \u00bbgemeinsam gefahndet\u00ab wird, aber voneinander \u00bbgetrennt\u00ab. Die Zielfahndung des LKA sei in dieser Zeit \u00bbbei uns ein- und ausgegangen, wie ich es noch nicht erlebt habe\u00ab, so Wie\u00dfner. Die LKA-Beamten h\u00e4tten \u00bbNamen abgesch\u00f6pft\u00ab, aber keinen \u00bbR\u00fccklauf\u00ab gegeben.<\/p>\n<h4>Immer wieder in Sachsen, niemals \u00bboperativ\u00ab?<\/h4>\n<p>Hinweise auf den Aufenthaltsort des gesuchten Trios h\u00e4tten sich aus Quellenberichten ergeben, erkl\u00e4rt Wie\u00dfner in der folgenden Befragung. So sei Tino Brandt aufgefordert worden, die Untergetauchten telefonisch zu kontaktieren. Er solle dazu eine Telefonzelle in Chemnitz anrufen. Wie\u00dfner erkl\u00e4rt weiter, dass jedoch \u00bbnichts gemacht wurde, um die Zelle einzukreisen\u00ab, auch G10-Ma\u00dfnahmen seien nicht eingeleitet worden. Er wisse jedoch, dass die Zielfahndung der Polizei \u00bbinsgesamt 30 TK\u00dc-Ma\u00dfnahmen\u00ab eingeleitet habe. Insgesamt sch\u00e4tze er die Fahndungsarbeit als \u00bbgro\u00dfen Kuddelmuddel\u00ab ein. Verantwortung daf\u00fcr h\u00e4tten \u00bbzwei eitle Pr\u00e4sidenten\u00ab getragen. Einmal habe er ein Observations-Foto zum LfV Th\u00fcringen gegeben und \u00bbfort war es\u00ab.<\/p>\n<p>Seinerseits habe es auch Kontakte zum LfV Sachsen gegeben. Der Th\u00fcringer Verfassungsch\u00fctzer sagt einerseits immer wieder, dass er in Sachsen nicht \u00bboperativ\u00ab t\u00e4tig geworden sei. Andererseits bezeichnet er die Zusammenarbeit mit dem Referatsleiter Rechtsextremismus des LfV Sachsen, Volker Lange, als \u00bbsehr kooperativ\u00ab, und erkl\u00e4rt au\u00dferdem: \u00bbJegliche Unterst\u00fctzung war da\u00ab, die man bei Observationen ben\u00f6tigte. Zweimal habe er mit Lange gesprochen, \u00bbdas ging alles um Chemnitz\u00ab. Als ebenso gut bezeichnete er seinen \u00bbArbeitskontakt\u00ab mit dem s\u00e4chsischen V-Mannf\u00fchrer, mit dem er \u00bbauch kurzfristig Informationen austauschen\u00ab konnte. Einmal sei er mit der Zielfahndung gemeinsam zu einer Besprechung mit LfV Sachsen nach Chemnitz gefahren, \u00bbes muss um Observationen gegangen sein\u00ab. Wie\u00dfner r\u00e4umt schlie\u00dflich ein, dass es sehr wohl Observationen \u00bbgegen einzelne [Telefon-] Zellen\u00ab gegeben habe. Warum es zur Zusammenarbeit zwischen den beiden Verfassungsschutz\u00e4mtern keine schriftliche Dokumente g\u00e4be, dazu k\u00f6nne er jedoch nichts sagen, erkl\u00e4rt der Zeuge weiter.<\/p>\n<h4>\u00bbTerzett\u00ab: nicht bekannt &#8211; die Ergebnisse aber schon?<\/h4>\n<p>Wie\u00dfner best\u00e4tigt auch, dass Anfang 1999 ein Telefonat zwischen Brandt und B\u00f6hnhardt arragiert worden sei. Dieses Telefonat soll \u00fcber eine Telefonzelle in Chemnitz abgewickelt worden sein. Ob dar\u00fcber s\u00e4chsische Beh\u00f6rden informiert wurden, dass k\u00f6nne Wie\u00dfner nicht sagen. Dass die Th\u00fcringer Zielfahndung einbezogen wurde, \u00bbdas kann ich mir nicht vorstellen\u00ab.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage verneint Wie\u00dfner, von der Operation \u00bbTerzett\u00ab gewusst zu haben. Andererseits benannte er das \u00bbUmzugshelfer-Foto\u00ab aus Mai 2000, und damit eines der signifikantesten Ereignisse w\u00e4hrend der Operation \u00bbTerzett\u00ab. Dieses Foto habe man Quellen vorgelegt. Zuerst f\u00fchrte er aus, dass Quellen gesagt h\u00e4tten: \u00bbDas ist B\u00f6hnhardt.\u00ab Auf sp\u00e4tere Nachfrage gab er an, dass die Quellen \u00bbF\u00fcnfzig-F\u00fcnfzig\u00ab in der Bewertung gewesen seien, ob es sich um B\u00f6hnhardt handelt oder nicht.<\/p>\n<p>Hinweise auf die Geldbeschaffung habe es ebenfalls gegeben, so Wie\u00dfner. Er f\u00fchrt Thomas Starke an, den er in Zwickau verortet. Der solle auf einem \u00bbSkinkonzert\u00ab angesprochen worden sein und dann ge\u00e4u\u00dfert haben, dass die Drei kein Geld mehr brauchen, da sie nun \u00bbjobben\u00ab. Wie\u00dfner berichtet auch von Spenden: geflossen seien \u00bbf\u00fcnf-, sechshundert Euro \u2013 immer mal\u00ab. Einmal habe gar eine seiner Quellen \u00bbim Auftrag\u00ab eine Spende an Wohlleben gegeben. Zu Starke f\u00fchrt er noch an, dass \u00bbermittlungsm\u00e4\u00dfig hochgekommen\u00ab sei, dass er in Zwickau wohne.<\/p>\n<p>Auf einen vorgehaltenen Vorwurf des Zielfahnders Sven Wunderlich, dass der Verdacht bestehe, das LfV Th\u00fcringen und das LfV Sachsen w\u00fcrden Wissen zur\u00fcckhalten , erkl\u00e4rt Wie\u00dfner, dass das nicht der Fall gewesen sei: \u00bbDa wurde nichts zur\u00fcckgehalten.\u00ab Wie\u00dfner best\u00e4tigt allerdings einen Fall, bei dem er in Anwesenheit des Zielfahnders \u00bbPersonen angesprochen und Geld \u00fcbergeben\u00ab habe. \u00bbDas ist in Jena gewesen\u00ab, so Wie\u00dfner, nicht in Sachsen. In Sachsen sei er nie operativ t\u00e4tig geworden, betont Wie\u00dfner.<\/p>\n<h4>Angeblich \u00bbkein Zugang\u00ab nach Sachsen<\/h4>\n<p>\u00dcber die \u00bbBlood &amp; Honour\u00ab-Sektion in Sachsen k\u00f6nne der ehemalige Mitarbeiter nichts sagen, \u00bbweil die s\u00e4chsische Skinszene autark war\u00ab. Deswegen habe es auch \u00fcber \u00bbBlood &amp; Honour\u00ab keinen Zugang nach Sachsen gegeben.<\/p>\n<p>Auf Nachfrage konkretisierte Wie\u00dfner, dass auch \u00fcber seine Quelle <a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2015\/04\/v-mann-portraet-marcel-degner\/\">Marcel Degner<\/a>, also den th\u00fcringischen \u00bbBlood &amp; Honour\u00ab-Sektionschef, kein Kontakt dahin bestanden habe. Eine Aussage, die bereits seit Jahren widerlegt ist. So hei\u00dft es im <a href=\"http:\/\/www.thueringer-landtag.de\/mam\/landtag\/aktuell\/2014_8\/drs58080_band02.pdf\">Bericht des Th\u00fcringer Untersuchungsausschuss vom 16. Juli 2014<\/a> auf Seite 1542, dass Degner 1998 \u00fcber eine \u00bbLiierung von Beate Zsch\u00e4pe und dem \u203aBlood&amp;Honour\u2039-Mitglied Thomas Starke\u00ab berichtete.<\/p>\n<p>Die Frage, ob er wusste, dass Wohlleben Anfang 1999 eine von Zsch\u00e4pe unterschriebene RA-Vollmacht besorgen konnte, beantwortete Wie\u00dfner spontan mit \u00bbja\u00ab. Die Frage, ob \u00bbJule\u00ab (Juliane Walter) eine Quelle des LfV Th\u00fcringen gewesen sei, verneint der Verfassungssch\u00fctzer. Mandy Struck sei ins Spiel gekommen, aufgrund einer \u00bbVerwechslung mit Zsch\u00e4pe\u00ab.<\/p>\n<h4>Grundlegende Antwort schuldig geblieben<\/h4>\n<p>Nicht erkl\u00e4ren konnte er die Diskrepanz zur R\u00fcckf\u00fchrung des Wohlleben-Fluchtautos im Januar 1998. Der Hinweis, das Auto sei auf halbem Weg zwischen Jena und Dresden liegen geblieben, kam von seiner Quelle Brandt &#8211; bestritten wurde das damals von der Gew\u00e4hrsperson <a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2015\/02\/v-mann-portraet-andreas-rachhausen\/\">Andreas \u00bbAlex\u00ab Rachhausen<\/a>. In diesem Fall hatte sich Wie\u00dfner, ohne das heute plausibel erkl\u00e4ren zu k\u00f6nnen, wohl entschieden, seiner doch so \u00bbnachrichtenehrlichen\u00ab Quelle Brandt nicht zu glauben.<\/p>\n<p>Zum Ende der etwa einst\u00fcndigen Befragung hat der Zeuge mehrere offenkundig operative Sachverhalte in Sachsen geschildert &#8211; auch wenn er immer wieder leugnet, dass es solche gegeben habe. Er bleibt auch eine Antwort auf die grundlegende Frage schuldig, was er als th\u00fcringischer Beschaffer in Sachsen gewollt hat?<\/p>\n<p><em id=\"1stern\">* Das Bundeskriminalamt war vor und nach der Flucht immer wieder im Fallgeschehen pr\u00e4sent. Stichwort \u00bbGaragenliste\u00ab: BKA-Beamte waren mit der Auswertung des Asservats betraut, kamen dem jedoch nicht nach. Dabei enthielt die Liste zahlreiche Kontakte von Uwe Mundlos vor allem nach Jena und nach Chemnitz, dem ersten Fluchtpunkt der gesuchten Nazis. Ebenfalls tauchen auf der Liste Kontakte nach N\u00fcrnberg und Rostock auf, wo der NSU sp\u00e4ter Mordanschl\u00e4ge begehen sollte.<\/em><\/p>\n<p><em id=\"2stern\">** Das \u00bbUmzugshelfer-Foto\u00ab zeigt den Chemnitzer Kai Seidel in Begleitung einer \u00bbunbekannten, m\u00e4nnlichen Person\u00ab und wurde im Rahmen der Operation \u00bbTerzett\u00ab aufgenommen. Wochen nach der Observation bittet das Th\u00fcringer LKA das BKA, die Fotos aus Chemnitz mit Polizeifotos von Uwe B\u00f6hnhardt aus dem Jahr 1996 zu vergleichen. Das BKA stellt fest, dass es sich \u00bbum ein und dieselbe Person\u00ab handelt.\u00a0<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio Zeuge Friedhelm Kleimann, ehemals LKA Th\u00fcringen Zeuge Norbert Wie\u00dfner, ehemals LfV Th\u00fcringen Bei der \u00bbInternen\u00ab verschlissen, dann zum Staatsschutz Der erste Zeuge, der heute dem s\u00e4chsischen Untersuchungsausschuss Rede und Antwort steht, ist der ehemalige Kriminalhauptkommissar Friedhelm Kleimann. Er gibt an, dass er mittlerweile seit zehn Jahren im Ruhestand ist.<\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/11\/24\/bericht-26-sitzung-13-november-2017\/\" title=\"Read More\">Read More<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":96,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[10,8],"tags":[22,50,53,51,16],"class_list":{"0":"post-258","1":"post","2":"type-post","3":"status-publish","4":"format-standard","5":"has-post-thumbnail","7":"category-berichte","8":"category-untersuchungsausschuss","9":"tag-chemnitz","10":"tag-fahndung","11":"tag-lfv-thueringen","12":"tag-lka-thueringen","13":"tag-verfassungsschutz"},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=258"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":265,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/258\/revisions\/265"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/96"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=258"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=258"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=258"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}