{"id":241,"date":"2017-10-10T14:57:33","date_gmt":"2017-10-10T12:57:33","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=241"},"modified":"2017-10-10T14:57:33","modified_gmt":"2017-10-10T12:57:33","slug":"bericht-22-sitzung-25-september-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/10\/10\/bericht-22-sitzung-25-september-2017\/","title":{"rendered":"Bericht 22. Sitzung &#8211; 25. September 2017"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li>Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio<\/li>\n<li><a href=\"#heckel\">Zeuge Lutz Heckel<\/a>, LKA Sachsen<\/li>\n<li><a href=\"#czanderle\">Zeuge Bernd Czanderle<\/a>, ehemals LKA Sachsen<\/li>\n<\/ul>\n<h4 id=\"heckel\">\u00bbWir vom Dezernat 523\u00ab<\/h4>\n<p>Lutz Heckel arbeitet seit 32 Jahren als Polizist und seit 26 Jahren beim Landeskriminalamt (LKA) Sachsen. Dort ist er seit 1999 stellvertretender Dezernatsleiter im Fachbereich Verdeckte Fahndung beim Dezernat 523, das sp\u00e4ter zum Mobilen Einsatzkommando Staatsschutz wird. Er berichtet dem Untersuchungsausschuss, dass er am 17. November 2011 aufgefordert worden sei, eine Dienstliche Stellungnahme abzugeben, ob ihm fr\u00fchere Einsatzma\u00dfnahmen gegen das NSU-Kerntrio bekannt seien.<\/p>\n<p>Heckel habe daraufhin das Auftragsbuch seines Dezernats 523 durchgeschaut. Dort habe er den Hinweis auf den 2. Mai 2000 gefunden. Die Zielfahndung des LKA Th\u00fcringen habe damals beim LfV Sachsen um Unterst\u00fctzung gebeten f\u00fcr einen Observationseinsatz am 7. und 8. Mai 2000. Das s\u00e4chsische LfV wiederum habe bei Heckels Dezernat nach Unterst\u00fctzung gefragt: \u00bbIch bin davon ausgegangen, dass alles in Ordnung ist\u00ab, so der Zeuge. Es habe am 2. Mai 2000 ein Vorbereitungstreffen gegeben, an dem die Einsatzleiter der eingesetzten Trupps teilgenommen h\u00e4tten. Insgesamt f\u00fcnf seien eingesetzt gewesen: Ein Trupp vom LfV Th\u00fcringen, drei vom LfV Sachsen \u00bbund wir vom Dezernat 523\u00ab. An Namen der Einsatzleiter k\u00f6nne sich der Zeuge nicht mehr erinnern, auch ein Operationsname sei ihm nicht mehr gel\u00e4ufig. Heckel selbst habe einen Trupp gef\u00fchrt, seinen Stellvertreter wollte er nicht nennen, an die anderen Truppf\u00fchrer k\u00f6nne er sich nicht erinnern.<\/p>\n<h4>\u00bbRohrbombenbastler\u00ab<\/h4>\n<p>Einsatzort sei Chemnitz gewesen, warum dort, wisse er nicht, so der LKA-Beamte. Es sei um \u00bbRohrbombenbastler\u00ab gegangen, erinnert sich Heckel. Sie h\u00e4tten hier das erste Mal von B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe erfahren \u2013 trotz bundesweiter Fahndung seit 1998. Heckel erkl\u00e4rt: \u00bbWir handeln als Servicedienstleister.\u00ab Au\u00dferdem sei man an Vorschriften gebunden, sie h\u00e4tten nicht \u00bbauf eigene Faust nach den drei Gesuchten fahnden\u00ab k\u00f6nnen. Sein Dezernat sei \u00bbins Boot geholt\u00ab worden, damit exekutive Ma\u00dfnahmen durchgef\u00fchrt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Beamten h\u00e4tten damals die Wohnung von Hendrik Lasch in der Paul-Bertz-Stra\u00dfe observiert, um dort B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe festzunehmen. Lasch habe zu deren Umfeld geh\u00f6rt. Die Observation sei aber \u00bbohne Feststellung\u00ab geblieben und dann am 8. Mai abgebrochen worden. \u00bbNiemand\u00ab habe die Wohnung betreten oder sich ihr gen\u00e4hert. Das sei auch dem LfV Sachsen mitgeteilt worden, das diesen Einsatz offenbar koordiniert hat. Den Namen der Ansprechpartnerin im LfV Sachsen d\u00fcrfe Heckel jedoch nicht nennen. Er solle dem Untersuchungsausschuss aber nachgereicht werden, erkl\u00e4rt der Beauftragte des Staatsministeriums des Inneren.<\/p>\n<h4>Absprachen mit dem SEK<\/h4>\n<p>Die Einsatzleitung habe beim th\u00fcringischen Zielfahnder Sven Wunderlich gelegen. Die Informationen \u00fcber die Zielpersonen seien vom LfV Sachsen gekommen und h\u00e4tten eine Personenbeschreibung, sowie Angaben zu Wohnort und Fahrzeugen enthalten. Anhand der Daten h\u00e4tten sie die Gesuchten \u00bbidentifizieren m\u00fcssen\u00ab, so Heckel weiter. An Hinweise zu einer m\u00f6glichen Bewaffnung der Zielpersonen oder zu Selbstschutzma\u00dfnahmen k\u00f6nne sich der LKA-Beamte nicht mehr erinnern.<\/p>\n<p>Die Aufgabe seines Trupps sei der Zugriff gewesen, erl\u00e4utert Heckel. Die Situation sei jedoch \u00bbheikel\u00ab gewesen, weil in Wohnungen nur das SEK zugreifen d\u00fcrfe. \u00bbWir h\u00e4tten au\u00dferhalb einen Notzugriff\u00ab durchgef\u00fchrt, so der Zeuge. F\u00fcr alles weitere habe es Absprachen mit dem SEK in Leipzig gegeben, das habe zugesichert, dass es binnen einer Stunde vor Ort sein w\u00fcrde.<\/p>\n<h4>Personen aufscheuchen<\/h4>\n<p>Dem Kriminalbeamten sei auch noch ein weiteres Datum aufgefallen: der 27. September 2000. Das Mobile Einsatzkommando (MEK) Chemnitz habe personelle Unterst\u00fctzung angefragt. Vier Beamte seien daf\u00fcr \u00bb\u00fcberstellt\u00ab worden, soviel habe er noch nachvollziehen k\u00f6nnen. Dann habe er Akteneinsicht beantragt, um seine Erinnerungen zu diesem Vorgang \u00bbaufzufrischen\u00ab.<\/p>\n<p>Es habe sich dann herausgestellt, dass es im September 2000 um eine Fahndungsma\u00dfnahme nach dem \u00bbTrio\u00ab im Zuge einer \u00bbKripo live\u00ab-Sendung gegangen sei. Mit der Fernsehsendung sei beabsichtigt gewesen, \u00bbdie Personen aufzuscheuchen\u00ab.<\/p>\n<h4>Bundesweite Fahndung: nicht bekannt<\/h4>\n<p>Auf Nachfrage erkl\u00e4rt der Zeuge, dass es durchaus m\u00f6glich sei, dass sein Dezernat bereits 1999 bei einer Observation bei Hendrik Lasch eingesetzt gewesen sei. Er erg\u00e4nzt, dass sie aber auch eingesetzt worden seien, um im Auftrag der Soko Rex Skin-Konzerte aufzukl\u00e4ren. An Auff\u00e4lligkeiten bei Observationen gegen Blood&amp;Honour k\u00f6nne er sich nicht erinnern. Heckel verneint die Frage, ob sie 1999 das untergetauchte \u00bbTrio\u00ab h\u00e4tten erkennen k\u00f6nnen: \u00bbDas war 1999 noch nicht bekannt.\u00ab<\/p>\n<h4 id=\"czanderle\">Bernd Czanderle: s\u00e4chsischer Zielfahnder<\/h4>\n<p>Der zweite Zeuge, Bernd Czanderle, arbeitete im Mobilen Einsatzkommando (MEK) des LKA Sachsen. Seit 1996 sei er in der Organisationseinheit Zielfahndung\/Vorrangfahndung t\u00e4tig gewesen, das sei eine kleine \u00bbServicedienststelle\u00ab: \u00bbDrei Leute im besten Fall\u00ab. Er habe in seinen zw\u00f6lf Jahren etwa f\u00fcnf bis sechs F\u00e4lle pro Jahr bearbeitet. Zugleich sei er auch Einsatzbeamter f\u00fcr das MEK gewesen. 2009 wechselte er dann zu Polizei Hessen.<\/p>\n<p>Czanderle erl\u00e4utert den Ausschussmitgliedern, dass er \u00fcber eine Akteneinsicht einen Einsatz am 23. Oktober 2000 rekonstruiert habe. Eigene Erinnerungen an den Einsatz habe er keine mehr, erkl\u00e4rt der Zeuge, gibt dann aber durchaus detailierte Schilderungen. An diesem Tag habe Kollegen der Zielfahndung Th\u00fcringen bei einem Einsatz in Chemnitz unterst\u00fctzt. Ziel sei gewesen Haftbefehle gegen Uwe B\u00f6hnhardt und Beate Zsch\u00e4pe zu vollstrecken. Beide seien wegen eines Sprengstoffdelikts gesucht worden.<\/p>\n<h4>Videoaufnahmen des Trios aus Chemnitz?<\/h4>\n<p>Hintergrund des Einsatzes in Chemnitz sei eine Videoaufzeichnung vom 6. Mai 2000 gewesen. Darauf sei Kai Seidel als Umzugshelfer vor der Bernhardstra\u00dfe 11 zu sehen gewesen und au\u00dferdem eine weitere m\u00e4nnliche Person, die das BKA \u00bbmit Sicherheit\u00ab als Uwe B\u00f6hnhardt identifiziert habe. In einem anderen Videoabschnitt habe das BKA au\u00dferdem Beate Zsch\u00e4pe erkannt. Die Adresse sei die Wohnanschrift von Mandy Struck gewesen. Im Oktober sei dann ein Anlauf unternommen worden, um B\u00f6hnhardt und Zsch\u00e4pe auf die Spur zu kommen, so Czanderle.<\/p>\n<p>An eine Vorbesprechung f\u00fcr den Einsatz k\u00f6nne sich der Zeuge nicht mehr erinnern, er vermute aber das es eine telefonische Absprache gegeben habe. Aus den Akten gehe au\u00dferdem hervor, dass durch die s\u00e4chsischen Beamten sechs Anschriften \u00fcberpr\u00fcft worden seien. Mehr k\u00f6nne Czanderle dazu aber nicht sagen, da er nach einem einj\u00e4hrigen UN-Einsatz erst kurz vor dem Einsatz zur\u00fcck auf die Dienststelle gekommen sei. Die Fahndung nach dem \u00bbTrio\u00ab sei ihm vor dem Einsatz nicht bekannt gewesen.<\/p>\n<h4>Abbruch der Observation &#8211; Grund unbekannt<\/h4>\n<p>Am Einsatztag sei das MEK Chemnitz mit der Observation von Kai Seidel beauftragt gewesen, geleitet habe den Einsatz der Zielfahnder Sven Wunderlich, dem au\u00dferdem drei weitere Th\u00fcringer Beamte zur Seite gestanden h\u00e4tten. Von Czanderles Dienststelle sei er selbst und ein Kollege dabei gewesen. Besondere Sicherungsma\u00dfnahmen seien ihm nicht erinnerlich, sie seien aber \u00bbjederzeit vorbereitet gewesen, eine qualifizierte Festnahme zu machen.\u00ab Das Fahndungsplakat mit Fotos der drei Gesuchten sei bekannt gewesen und die Ermittler seien imstande gewesen, sie zu erkennen.<\/p>\n<p>Um 12:50 Uhr h\u00e4tten die Beamten die Oberservation abgebrochen und an der Wohnung von Struck geklingelt, schildert der Zielfahnder den Tagesverlauf. Warum, wisse er nicht. Aber das Vorgehen sei durchaus \u00bbnicht un\u00fcblich\u00ab, wenn parallel zu Observationen Telefon\u00fcberwachungen laufen.<\/p>\n<h4>Verbrannt: wichtige Dokumente oder Liebesbriefe?<\/h4>\n<p>Die Wohnungst\u00fcr ge\u00f6ffnet habe Kai Seidel. Ihm sei das Bild vom Mai 2000 vorgelegt worden, Seidel habe aber angeben, dass er die Person, die dort mit ihm zu sehen sei, nicht kennen w\u00fcrde. Das Gespr\u00e4ch selbst habe der Beamte nicht verfolgt, da er \u00bbim Au\u00dfenbereich\u00ab gewartet habe. Im Anschluss seien die Beamten mit Seidel zu dessen Wohnung gefahren, h\u00e4tten dort aber nichts feststellen k\u00f6nnen. Dass Seidel nach der Befragung einen Grill aus der Garage geholt und Dokumente verbrannt habe, davon habe Czanderle erst im Rahmen des Aktenstudiums gelesen. Bewerten k\u00f6nne er das nicht. Er wisse nicht, ob es \u00bbwichtige Dokumente oder Liebesbriefe\u00ab gewesen seien. Prinzipiell versuche die Polizei aber zu vermeiden, dass Observationen enttarnt werden.<\/p>\n<p>Einsatzleiter Wunderlich und ein Kollege seien zwischenzeitlich zur Arbeitsstelle von Mandy Struck gefahren. Auch ihr sei das Foto vorgelegt worden, sie habe gesagt, dass es sich bei der zweiten Person um Daniel Heilmann handeln w\u00fcrde. Au\u00dferdem habe sie berichtet, dass Maik K. eine Waffe besitzen w\u00fcrde. Beides sei \u00fcberpr\u00fcft worden.<\/p>\n<h4>Hinweise von Struck<\/h4>\n<p>Der Verdacht gegen Maik K. habe sich nicht erh\u00e4rtet, er sei von den Kollegen Wunderlich und Lein aufgesucht und befragt worden. Die h\u00e4tten dann telefonisch \u00fcbermittelt, dass keine scharfen Waffen festgestellt worden seien, sondern nur eine Luftdruckwaffe.<\/p>\n<p>Mit Struck habe man sich zur Annaberger Stra\u00dfe 15 begeben und dort den benannten Daniel Heilmann \u00bbam Zugang zum Haus\u00ab angesprochen. Das Gespr\u00e4ch h\u00e4tten die Th\u00fcringer Beamten gef\u00fchrt, w\u00e4hrend sich Czanderle und sein Kollege etwa \u00bb50 bis 100 Meter entfernt\u00ab aufgehalten h\u00e4tten. Heilmann habe sich, so die Beobachtungen des Zielfahnders, mit einem g\u00fcltigen Dokument ausweisen k\u00f6nnen. \u00bbDer Heilmann war dann auch der Heilmann und nicht B\u00f6hnhardt\u00ab, fasst der Zeuge zusammen. Der Gesamteinsatz sei daraufhin beendet worden. Struck sei bei Heilmann geblieben.<\/p>\n<p>Von einer konspirativen Wohnung habe er nichts gewu\u00dft, beantwortet der Zeuge eine Nachfrage. Ma\u00dfnahmen des LfV Sachsen seien ihm ebenfalls nicht bekannt gewesen. Seitens seiner Dienststelle seien ansonsten keine \u00bbeigenen Fahndungsma\u00dfnahmen\u00ab nach den Untergetauchten initiiert worden, erkl\u00e4rt Czanderle.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio Zeuge Lutz Heckel, LKA Sachsen Zeuge Bernd Czanderle, ehemals LKA Sachsen \u00bbWir vom Dezernat 523\u00ab Lutz Heckel arbeitet seit 32 Jahren als Polizist und seit 26 Jahren beim Landeskriminalamt (LKA) Sachsen. 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