{"id":229,"date":"2017-09-05T16:59:17","date_gmt":"2017-09-05T14:59:17","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=229"},"modified":"2017-09-05T17:24:39","modified_gmt":"2017-09-05T15:24:39","slug":"bericht-21-sitzung-28-august-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/09\/05\/bericht-21-sitzung-28-august-2017\/","title":{"rendered":"Bericht 21. Sitzung &#8211; 28. August 2017"},"content":{"rendered":"<ul>\n<li><span class=\"\">Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio<\/span><\/li>\n<li><span class=\"\"><a href=\"#tueshaus\">Zeuge Joachim T\u00fcshaus (ehemals LfV Sachsen)<\/a><\/span><\/li>\n<li><span class=\"\"><a href=\"#vahrenhold\">Zeuge Olaf Vahrenhold (ehemals LfV Sachsen)<\/a><\/span><\/li>\n<\/ul>\n<h4 id=\"tueshaus\"><span class=\"\">Vom Abteilungsleiter zur Fachaufsicht: Joachim T\u00fcshaus<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Der erste von zwei geladenen Zeugen ist Joachim T\u00fcshaus, der von 1993 bis 2004 die Abteilung II \u00bbLinks- und Rechtsextremismus\u00ab des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) Sachsen geleitet hat. Von 2007 bis M\u00e4rz 2012 oblag ihm dann die Leitung der Fachaufsicht \u00fcber das Landesamt. Zu Beginn seiner Aussage erkl\u00e4rt er, dass er zum Kenntnisstand des Vorg\u00e4ngerausschusses \u00bbkaum etwas neues hinzuf\u00fcgen\u00ab k\u00f6nne. Er wolle sich daher auf ein paar \u00bbrelevante Wegmarken\u00ab konzentrieren.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Im Februar 1998 sei das LfV Sachsen vom LfV Th\u00fcringen \u00fcber die Suche nach und die Haftbefehle f\u00fcr Uwe B\u00f6hnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zsch\u00e4pe informiert worden. Noch im Februar 1998 habe das LfV erfahren, dass das Trio ihren Fluchtfahrzeug im \u00bbRaum Dresden\u00ab abgestellt habe und Kontakte nach Berlin gekn\u00fcpft haben soll.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">Weiterer \u00dcberfall? \u00bbDazu wu\u00dften wir nichts.\u00ab<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Am 16. September 1998 habe das LfV Th\u00fcringen im Rahmen eines Treffens um Unterst\u00fctzung bei Observationen gebeten. T\u00fcshaus sei selbst nicht anwesend gewesen, aber der zust\u00e4ndige Referatsleiter und dessen Mitarbeiter. Er wisse von dem Treffen aus einem Aktenvermerk vom Folgetag.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Grundlage f\u00fcr die Anfrage aus Th\u00fcringen sei eine Quellenmeldung vom LfV Brandenburg gewesen, aus der hervorgegangen sei, dass der Chemnitzer Jan Werner versuche Waffen f\u00fcr die fl\u00fcchtigen Nazis und \u00bbeinen weiteren \u00dcberfall\u00ab zu beschaffen. Zwar sei diese Aussage f\u00fcr die \u00c4mter \u00bbzentral\u00ab gewesen, aber Nachforschung, was f\u00fcr ein vorhergehender \u00dcberfall gemeint gewesen sein k\u00f6nnte, scheinen nicht stattgefunden zu haben. T\u00fcshaus: \u00bbDazu wu\u00dften wir nichts. Wir haben dazu keine Erkenntnisse gewonnen.\u00ab <\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Auf dem Treffen sei au\u00dferdem bekannt geworden, dass Antje Probst beabsichtige, den Fl\u00fcchtigen ihren Pass zur Verf\u00fcgung zu stellen. T\u00fcshaus behauptet, es sei auch klar gewesen, dass Werner und Probst ihre Unterst\u00fctzung jeweils \u00bbunabh\u00e4ngig voneinander\u00ab leisten w\u00fcrden. Woran das festzumachen sei, l\u00e4sst er jedoch offen. Jedenfalls habe das LfV Sachsen aufgrund der vorgelegten Informationen f\u00fcr September und Oktober 1998 \u00bbtageweise\u00ab Observationen angeordnet.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">\u00bbWie kriegen wir diese Meldung zur Polizei?\u00ab<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">T\u00fcshaus erkl\u00e4rt weiter, \u00bbf\u00fcr uns\u00ab sei es angesichts der Informationslage \u00bbzwingend, die Polizei zu informieren.\u00ab Die Frage sei gewesen: \u00bbWie kriegen wir diese Meldung zur Polizei.\u00ab Das \u00bbquellenf\u00fchrende Amt\u00ab \u2013 T\u00fcshaus achtet konsequent darauf, Brandenburg nicht zu nennen (\u00bbVertraulichkeit!\u00ab) \u2013 habe die Information nicht freigegeben und eine schriftliche Weitergabe untersagt. Lediglich der m\u00fcndlichen Weitergabe durch das LfV Th\u00fcringen an das dortige LKA sei zugestimmt worden. T\u00fcshaus bezeichnet das als \u00bbunbefriedigend\u00ab, weil es f\u00fcr die Strafverfolgungsbeh\u00f6rden so unm\u00f6glich gewesen sei, weitergehende Ma\u00dfnahmen, etwa TK\u00dc-Beschl\u00fcsse oder Wohnungsdurchsuchungen, zu erwirken. Eine Weitergabe der Information an die s\u00e4chsische Polizei sei nicht erfolgt, man habe die \u00bbPolizei als Einheit\u00ab gesehen und, so T\u00fcshaus weiter, \u00bbnicht parallel an mehreren Ecken die Tischdecke angez\u00fcndet.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Bei einer weiteren Besprechung zwischen den Verfassungsschutz\u00e4mtern von Th\u00fcringen, Brandenburg und Sachsen am 21. September 1998 &#8211; hier war T\u00fcshaus selbst beteiligt &#8211; sei das Lagebild um weitere Informationen erg\u00e4nzt worden. Aus einer TK\u00dc-Ma\u00dfnahme des LKA Th\u00fcringen sei eine Nachricht von Jan Werner an Ralf Wohlleben bekannt geworden. Au\u00dferdem sei am 25. August 1998 folgende Frage von Jan Werner an die Brandenburger V-Person Carsten \u00bbPiatto\u00ab Szczepanski geschickt worden: \u00bbHallo, was ist mit dem Bums?\u00ab Diese Nachricht sei T\u00fcshaus aber erst sp\u00e4ter bekannt geworden.\u00a0 Trotz neuer Erkenntnisse h\u00e4tten die \u00c4mter jedoch an ihrer Quellenschutztaktik festgehalten und ihre weitere Vorgehensweise abgestimmt. Th\u00fcringen solle die Federf\u00fchrung bei der Fahndung behalten, Sachsen intensiviere die Observationen von \u00bbBlood&amp;Honour\u00ab, wo Werner und Probst gemeinsam aktiv seien, so T\u00fcshaus weiter.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">1999? \u00bbDa ist nicht viel passiert.\u00ab<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Um seiner Aufgabe nachzukommen, habe das LfV Sachsen \u00bbtechnische Ma\u00dfnahmen\u00ab gepr\u00fcft. Ein vorbereiteter Antrag auf technische \u00dcberwachung gegen \u00bbBlood&amp;Honour\u00ab sei aber nicht umgesetzt worden, weil \u00bbeine andere Beh\u00f6rde\u00ab, das Bundesamt f\u00fcr Verfassungsschutz, eine \u00bbbereits bestehende Ma\u00dfnahme erweitert\u00ab habe, so der ehemalige Abteilungsleiter. Erfahren habe man au\u00dferdem, dass sich Jan Werner und Thomas Starke 1998 \u00bbim Streit\u00ab von \u00bbBlood&amp;Honour\u00ab Deutschland getrennt h\u00e4tten.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Im Juni 1999 sei auch an das LfV Sachsen ein vorl\u00e4ufiger Abschlussbericht aus Th\u00fcringen eingetroffen. Dieser habe Erkenntnisse enthalten, wonach sich im Fr\u00fchjahr Hinweise \u00bbverdichtet\u00ab h\u00e4tten, dass sich die drei Gesuchten in Chemnitz aufgehalten haben. Damit sei erstmals Chemnitz als Aufenthaltsort des Trios aufgefallen. Weiter soll darin gestanden haben, dass sie sich \u00bbjetzt definitiv im Norden Deutschlands\u00ab aufhalten w\u00fcrde. \u00bbNicht berichtet\u00ab, so T\u00fcshaus, wurde eine Nachricht aus Th\u00fcringen, mit der Aufforderung, \u00bbdie Kameraden\u00ab sollen den unterbrochenen Kontakt zum Trio kl\u00e4ren. Ebenfalls nicht weitergegeben worden sei die Nachricht von Thomas Starke, dass die Drei kein Geld brauchen, weil sie \u00bbjobben\u00ab w\u00fcrden. Davon habe T\u00fcshaus erst aus dem Sch\u00e4fer-Bericht erfahren. Jedoch habe es im M\u00e4rz 1999 eine Observationsma\u00dfnahme bei Antje Probst gegeben. Ansonsten sei in dem Jahr \u00bbnicht viel passiert.\u00ab<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Auf Nachfrage zum Stichwort &#8220;Telefonzellen&#8221; gab er au\u00dferdem an, es ergebe sich aus einem Observationsbericht, den er zu Gesicht bekam, ganz beil\u00e4ufig, dass es auch eine \u201egemeinsame Auftragserledigung\u201c von TLfV und LfV Sachsen gegeben habe, bei der vier<br \/>\nTelefonzellen im Chemnitzer Stadtgebiet beobachtet wurden. Mehr wisse er dazu\u00a0 nicht<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">T\u00fcshaus widersprach auch einer <a href=\"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2017\/05\/30\/bericht-19-sitzung-15-mai-2017\/\">Aussage Volker Langes<\/a>. Der war Ende 1998 als Referatsleiter Rechtsextremismus ins LfV gekommen und hatte wiederholt angegeben LINK Sitzung 19, erst Mitte 1999 \u00fcberhaupt vom Trio erfahren zu haben. T\u00fcshaus gab dagegen an, er gehe davon aus, dass Lange bereits nach Amtsantritt von dem Fall geh\u00f6rt haben m\u00fcsse, und zwar anl\u00e4sslich einer Korrespondenz mit dem BfV im Dezember 1998.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">Die einzige Spur: Mandy Struck<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">\u00bbGreifbarere Informationen\u00ab zum gesuchten Trio habe es dann erst wieder im Februar 2000 gegeben: Der \u00bbRechtsextremist\u00ab Andreas Graupner habe in Th\u00fcringen verk\u00fcndet, dass es \u00bbden Dreien\u00ab gut gehe. Im April 2000 habe es ein Treffen mit dem LfV Th\u00fcringen zum Erkenntnisaustausch gegeben. Dort sei erkl\u00e4rt worden sei, dass die Th\u00fcringer LKA-Zielfahndung eine neue \u00d6ffentlichkeitsfahndung plane. Das LfV Sachsen solle im Zeitraum einer Kripo-Live-Sendung, die sich mit dem Trio befasst, Oberservationsma\u00dfnahmen durchf\u00fchren.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">T\u00fcshaus berichtet, dass man dar\u00fcber das LKA Sachsen informiert und in die Observationen einbezogen habe. Auch sei das SEK eingeschaltet worden, wegen der Gef\u00e4hrlichkeit der Situation. Beobachtet worden sei Mandy Struck, die das LKA Th\u00fcringen als relevant benannt habe. Das sei die \u00bbeinzige Spur\u00ab gewesen. W\u00e4hrend der Ma\u00dfnahme sei es zu einer Kontaktaufnahme zwischen dem Freund von Struck und einer Person gekommen, die Uwe B\u00f6hnhardt \u00e4hnlich gesehen habe. F\u00fcr eine durchgehende Videodokumentation habe das LfV Sachsen sp\u00e4ter, im September 2000, eine Wohnung angemietet. Am 28. September habe sich die Th\u00fcringer Polizei der Observation angeschlossen, au\u00dferdem sei ein s\u00e4chsisches Mobiles Einsatzkommando in Stellung gebracht worden. Einen Tag sp\u00e4ter seien eine m\u00e4nnliche und eine weibliche Person an das Objekt herangetreten. Gefertigte Videoprints zeigen eine \u00c4hnlichkeit zu den Gesuchten, diese habe sich aber sp\u00e4ter nicht best\u00e4tigt, so T\u00fcshaus.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Am 23. Oktober 2000 wird Mandy Struck vom LKA Th\u00fcringen befragt, dabei seien ihr auch Fotos aus der Langzeitobservation vorgelegt worden. F\u00fcr das LfV Sachsen habe sich damit eine weitere Observation er\u00fcbrigt und man habe die Ma\u00dfnahme abgebrochen.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Am 18. M\u00e4rz 2001 gab es in Th\u00fcringen erneut den Hinweis, dass die drei Gesuchten in Chemnitz untergetaucht seien. Im April 2001 folgte die Nachricht, dass die Drei Geld abgelehnt h\u00e4tten, da sie jetzt \u00bbAktionen\u00ab machen w\u00fcrden. Das LfV Sachsen habe davon nichts erfahren, sich aber weiter mit Jan Werner und Movement Records besch\u00e4ftigt, aber \u00bbohne Ergebnis\u00ab, wie der Zeuge den Abgeordneten erkl\u00e4rt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Seiner Einsch\u00e4tzung nach seien alle eingehenden Hinweise \u00bbintensiv bearbeitet\u00ab worden, unter \u00bbEinsatz aller zur Verf\u00fcgung stehenden Mittel\u00ab.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">Das geht die \u00d6ffentlichkeit nichts an!<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">T\u00fcshaus wird von der stellvertretenden Ausschussvorsitzenden nach Erkenntnissen zu einem Treffen der \u00bbBlood&amp;Honour\u00ab-Sektion Sachsen im Jugendclub Wilsdruff am 14. Juni 1998 gefragt. T\u00fcshaus will dazu jedoch nicht antworten. Die Frage ziele auf \u00bbVS-Material\u00ab, also eine Verschlusssache, und er wolle, so T\u00fcshaus weiter, dazu nur in einer \u00bbanderen Konstellation\u00ab, soll hei\u00dfen: unter Ausschluss der \u00d6ffentlichkeit, antworten. Ebenfalls von seiner Aussagegenehmigung nicht gedeckt sei die Beantwortung der Frage, wer der feste Ansprechpartner beim BfV gewesen sei.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Auf eine Frage nach der Herkunft der Waffen im Koffer von Mario Ansorge, reagiert T\u00fcshaus schnippisch: \u00bbDas geh\u00f6rt nicht hierher, wenn es nichts mit Terzett zu tun hat.\u00ab Die Fragestellerin weist daraufhin auf den Gegenstand des Untersuchungsausschusses hin. Der umfasse rechtsterroristische Netzwerke in Sachsen und damit nicht nur den NSU. T\u00fcshaus rudert zur\u00fcck, er will aber auch hier ausschlie\u00dflich nicht-\u00f6ffentlich antworten.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">\u00bbKein eigenes Erkenntnisaufkommen\u00ab<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Zur Operation Terzett erkl\u00e4rt T\u00fcshaus, dass die Idee gewesen sei, dass man mit Mandy Struck \u00bbeinen Anfasser\u00ab habe, eine Person, die von der Flucht Kenntnis habe. Deswegen habe das LfV auch versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Struck habe aber geleugnet, mit den Fl\u00fcchtigen Kontakt zu haben. Ansonsten sei Terzett ein Name f\u00fcr verschiedene Ma\u00dfnahmen gewesen: darunter technische \u00dcberwachungen, Umfeldaufkl\u00e4rung, um die Grundlagen f\u00fcr weitere Schritte zu schaffen. Deswegen g\u00e4be es auch mehrere Akten mit der Bezeichnung \u00bbTerzett\u00ab. Die Frage, ob durch die Operationen Hinweise auf Waffen erlangt worden seien, verneint der ehemalige LfV-Mitarbeiter. \u00dcberhaupt habe die Ma\u00dfnahme kein brauchbares Ergebnis gebracht: Zum Fall habe es \u00bbkein eigenes Erkenntnisaufkommen\u00ab gegeben.<\/span><\/p>\n<h4 id=\"vahrenhold\"><span class=\"\">Olaf Vahrenhold: \u00bbEin inspirierender Fall\u00ab<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Nach der nicht\u00f6ffentlichen Vernehmung von Joachim T\u00fcshaus geht es \u00f6ffentlich weiter mit Olaf Vahrenhold, der von 2004 bis 2013 der Abteilung \u00bbLinks- und Rechtsextremismus\u00ab des LfV Sachsen vor stand und ab 2005 zus\u00e4tzlich Vertreter des Pr\u00e4sidenten geworden ist. Die Abgeordneten steigen gleich in die Befragung ein, da Vahrenhold auf ein Eingangsstatement verzichtet. Er verweist stattdessen auf seine Aussagen im Umfang von mehr als 20 Stunden im Vorg\u00e4ngerausschuss. Geh\u00f6rt wurde er au\u00dferdem vom Bundestagsuntersuchungsausschuss und in Th\u00fcringen.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Vahrenhold erkl\u00e4rt, dass ihm die Namen des NSU-Kerntrios erstmals \u00bbvermutlich\u00ab im Jahr 2000 untergekommen seien. Er sei damals G10-Aufsichtsbeamter gewesen und er erinnert sich an den \u00bbinspirierenden Fall\u00ab. \u00bbFachlich\u00ab sei er damals aber nicht damit befasst gewesen. Den Begriff NSU habe er jedoch erstmalig deutlich nach dem 4. November 2011 geh\u00f6rt. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">2004 sei er kurzzeitig mit dem Fall Terzett befasst gewesen. Es sei damals darum gegangen, ob Betroffene von G10-Ma\u00dfnahmen informiert werden k\u00f6nnen.<\/span><\/p>\n<h4><span class=\"\">Routinem\u00e4\u00dfige L\u00f6schung von Akten: Nicht auf dem Schirm!<\/span><\/h4>\n<p><span class=\"\">Nach dem 4. November 2011 habe man dann im LfV Sachsen begonnen, \u00bballe Akten aus dem Bereich Rechtsextremismus\u00ab zusammenzutragen und auszuwerten. \u00bbProblematisch\u00ab sei gewesen, dass manche Speicherfristen schon abgelaufen waren. F\u00fcr die Auswertung sei eine Projektgruppe eingerichtet worden. Eine schriftliche Vorlage, eine Anweisung oder einen Erla\u00df zur Aktenzusammenf\u00fchrung habe es aber nicht gegeben: \u00bbMir ist nicht erinnerlich, dass da was schriftlich vorlag.\u00ab Letztlich h\u00e4tten die Akten \u00bbmehr als einen Raum\u00ab gef\u00fcllt.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Von Problemen mit den L\u00f6schfristen will Vahrenhold nicht sprechen. Seine Mitarbeiter seien aber \u00bbdurch die Bank\u00ab Quereinsteiger gewesen und au\u00dferdem gelte auch im LfV, dass dort, wo Menschen arbeiten, Fehler gemacht werden: \u00bbWir versuchen, die zu bereinigen.\u00ab Zwar seien Akten mit NSU-Bezug nicht mehr gel\u00f6scht worden, das sei auch \u00bballen Mitarbeitern\u00ab bekannt gewesen, aber das habe andere Akten, auch aus dem Bereich Rechtsextremismus \u00bbdurchaus nicht betroffen\u00ab. Routinem\u00e4\u00dfige L\u00f6schungen seien weiterhin vorgenommen worden: \u00bbWir hatten das damals nicht auf dem Schirm\u00ab, erkl\u00e4rt der ehemalige LfV-Mitarbeiter.<\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Gefragt, nach den Lehren, die das LfV aus dem NSU-Komplex gezogen habe, erkl\u00e4rt Vahrenhold, dass sich \u00bbdie Sicherheitsbeh\u00f6rden erheblich weiterentwickelt\u00ab h\u00e4tten. \u00bbVor allem im Hinblick auf islamistischen Terror\u00ab habe sich die Zusammenarbeit \u00bberheblich verbessert.\u00ab Eine Nachfrage zu konkreten Ma\u00dfnahmen f\u00e4llt knapp aus, Vahrenhold verweist auf Verbesserung der elektronischen Datenerfassung und Schulungen an der Fortbildungseinrichtung der Verfassungsschutz\u00e4mter. <\/span><\/p>\n<p><span class=\"\">Die Befragung von Vahrenhold endet bereits nach gut 50 Minuten.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Thema: Fahndung nach dem untergetauchten Nazitrio Zeuge Joachim T\u00fcshaus (ehemals LfV Sachsen) Zeuge Olaf Vahrenhold (ehemals LfV Sachsen) Vom Abteilungsleiter zur Fachaufsicht: Joachim T\u00fcshaus Der erste von zwei geladenen Zeugen ist Joachim T\u00fcshaus, der von 1993 bis 2004 die Abteilung II \u00bbLinks- und Rechtsextremismus\u00ab des Landesamts f\u00fcr Verfassungsschutz (LfV) Sachsen geleitet hat. 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