{"id":10,"date":"2016-08-22T18:17:08","date_gmt":"2016-08-22T16:17:08","guid":{"rendered":"http:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/?p=10"},"modified":"2016-10-26T11:39:51","modified_gmt":"2016-10-26T09:39:51","slug":"bericht-6-sitzung-16-november-2015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sachsen.nsu-watch.info\/index.php\/2016\/08\/22\/bericht-6-sitzung-16-november-2015\/","title":{"rendered":"Bericht 6. Sitzung &#8211; 16. November 2015"},"content":{"rendered":"<ul class=\"bullet\">\n<li>\u00a0Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26<\/li>\n<li>\u00a0Zeuge Frank Lenk, Polizeibeamter<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Die sechste Sitzung des Untersuchungsausschusses konzentriert sich auf die Ermittlungen zur Brandursache in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26. Als Zeuge ist der zust\u00e4ndige Brandursachenermittler Frank Lenk geladen. Er berichtet detailiert \u00fcber den Verlauf des Einsatzes am Brandort, die eingeleiteten Ermittlungen und die dabei gefundenen Spuren.<\/em><\/p>\n<p>Heute ist ein Brandursachenermittler der Polizeidirektion Zwickau Frank Lenk vor den Untersuchungsausschuss geladen. Lenk hat begleitend zu seinen Ausf\u00fchrungen eine Power-Point-Pr\u00e4sentation vorbereitet. Er war leitender Ermittler bei der Untersuchung des Brands in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26. Ihm standen drei Brandursachenermittler und ein Kriminaltechniker zur Seite.<\/p>\n<p>Er berichtet, dass die Brandmeldung am 4. November 2011 um 15:08 Uhr erfolgte. Die Rekonstruktion des Tathergangs habe sp\u00e4ter gezeigt, dass die Z\u00fcndung des Brandes 15:05 Uhr erfolgte. Bereits um 15:30 Uhr sei der Brand unter Kontrolle gewesen. Um 17:30 Uhr sei er \u00fcber den Brand informiert worden, zwei Stunden sp\u00e4ter sei er an der Brandstelle eingetroffen. Bis dahin sei der Kollege Hellinger zust\u00e4ndig gewesen. Dieser habe, so Lenk, mit ersten Untersuchungen eine Gasexplosion ausschlie\u00dfen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Bei der ersten Begehung des Hauses, sei Lenk vor der T\u00fcrschwelle zur Wohnung von B\u00f6hnhardt, Mundlos und Zsch\u00e4pe ein 10-Liter-Kanister aufgefallen, in der Wohnung habe es stark nach Benzin gerochen. Es sei soviel Benzin ausgebracht, dass es nach der Z\u00fcndung zur Explosion kam. Sp\u00e4ter h\u00e4tten Brandmittelsp\u00fcrhunde 29 Stellen angezeigt, an den noch Benzinreste zu finden waren. Es habe sich eine Benzinspur durch alle R\u00e4ume der Wohnung gezogen. Zwar, so Lenk, sei die Z\u00fcndquelle nicht eindeutig identfizierbar, jedoch h\u00e4tten Kurzschl\u00fcsse als Brandausl\u00f6ser ausgeschlossen werden k\u00f6nnen. Die Explosion sei so stark gewesen, dass W\u00e4nde herausgerissen und besch\u00e4digt wurden, so auch die Wand zu einer benachbarten Wohnung in der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26a in der sich eine 90-j\u00e4hrige Rentnerin aufgehalten habe. Zum Zeitpunkt der Begehung sei die Leitung des Einsatzes immer noch bei der Feuerwehr gewesen, ein Leichensp\u00fcrhund sei eingesetzt worden, jedoch ohne Ergebnis. Um 24 Uhr habe Lenk von einem B\u00fcrger den ersten Hinweis auf das Wohnmobil in Eisenach erhalten, dieses habe einen Tag zuvor vor der Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 geparkt. Um 2 Uhr habe Lenk die Sperrung des Objekts veranlasst, Zutritt h\u00e4tten dann nur sein Kollege und er. Zur Bewachung seien mindestens zwei Streifenwagen vor Ort geblieben, au\u00dferdem die Brandwache der Berufsfeuerwehr Zwickau.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen seien die Ermittlungen um 9 Uhr fortgesetzt worden. Das Geb\u00e4ude sei zun\u00e4chst mit einem Bauzaun abgesperrt worden, anschlie\u00dfend habe die Berufsfeuerwehr in Zusammenarbeit mit einem Statiker das stark besch\u00e4digte Haus abgest\u00fctzt, um einen gefahrlosen Zugang zu erm\u00f6glichen. Brandmittelsp\u00fcrhunde seien eingesetzt worden. An der Wohnung selbst habe Lenk keine Einbruchspuren feststellen k\u00f6nnen, die nicht durch den Feuerwehreinsatz verursacht worden seien. Schnell seien die Ermittler auf eine erste Schusswaffe gesto\u00dfen, die durch die Hitze des Brandes selbstst\u00e4ndig ausgel\u00f6st habe. Au\u00dferdem h\u00e4tten sie eine Handfessel mit eingravierter Nummer gefunden. Nach R\u00fccksprache mit der Einsatzleitung sei klar gewesen, dass diese bundesweit zur Fahndung ausgeschrieben war im Zusammenhang mit dem Mord an der Polizistin Mich\u00e8le Kiesewetter in Heilbronn.<\/p>\n<p>Die Spurensuche sei in den n\u00e4chsten Tagen fortgesetzt worden. Die Brandursachenermittler seien ab dem 8. November durch Polizeibeamte aus Baden-W\u00fcrttemberg unterst\u00fctzt worden. Am 9. November seien Polizeisch\u00fcler hinzugezogen worden, um den Schuttberg abzutragen. Insgesamt h\u00e4tten die Ermittler 2250 Spuren gesichert, darunter weitere Waffen, die f\u00fcr eine Beschusspr\u00fcfung per Kurier an das Bundeskriminalamt (BKA) nach Wiesbaden geschickt worden seien, sowie 2,5 kg Schwarzpulver. Herausragende Funde seien laut Lenk au\u00dferdem 35 DVDs gewesen, die versandfertig bereitgelegen und das Bekennervideo des NSU enthalten h\u00e4tten. Dar\u00fcberhinaus seien Kartenmaterial, Kleidung mit Blutspuren, Personaldokumente, Bargeld und Geldbanderolen und Telefone sicher gestellt worden. Das Material sei in den Garagen der PD Zwickau gelagert worden.<\/p>\n<p>Ab dem 11. November habe das BKA die Ermittlungen \u00fcbernommen, Lenk habe dann weiter zur Unterst\u00fctzung der Bundesbeh\u00f6rde gearbeitet. Sp\u00e4ter seien dann eine Befragung durch den Generalbundesanwalt, sowie mehrfach Aussagen beim BKA und beim Strafprozess vor dem Oberlandesgericht in M\u00fcnchen erfolgt.<\/p>\n<p>\u00dcber die Aussagen von Frank Lenk vor dem OLG M\u00fcnchen liegen Protokolle von <a href=\"https:\/\/nsu-watch.info\">NSU Watch<\/a> vor:<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2013\/06\/protokoll-15-verhandlungstag-25-juni-2013\/\">15. Verhandlungstag \u2013 25. Juni 2013<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2013\/07\/protokoll-24-verhandlungstag-17-juli-2013\/\">24. Verhandlungstag \u2013 17. Juli 2013<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2013\/07\/protokoll-25-verhandlungstag-18-juli-2013\/\">25. Verhandlungstag \u2013 18. Juli 2013<\/a><\/li>\n<li><a href=\"https:\/\/www.nsu-watch.info\/2013\/09\/protokoll-38-verhandlungstag-24-sept-2013\/\">38. Verhandlungstag \u2013 24. Sept 2013<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26 \u00a0Zeuge Frank Lenk, Polizeibeamter Die sechste Sitzung des Untersuchungsausschusses konzentriert sich auf die Ermittlungen zur Brandursache in der Zwickauer Fr\u00fchlingsstra\u00dfe 26. Als Zeuge ist der zust\u00e4ndige Brandursachenermittler Frank Lenk geladen. 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