Bericht 11. Sitzung, 23. Mai 2016

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  • Thema: Ermittlungen zum Brand in der Zwickauer Frühlingsstraße 26
  • Zeugin Frau Antje Herfurth
  • Zeuge Herr Lutz Winkler

Im Mittelpunkt des Untersuchungsausschuss steht nach wie vor der Brand in der Frühlingsstraße 26. Heute sind erstmals Nachbar*innen zur Vernehmung geladen.

Antje Herfurth ist 43 Jahre alt und lebt in Zwickau. Die Verwaltungsfachwirtin berichtet, dass sie mit ihrer Tochter auf dem Weg nach Hause war. Beim Einbiegen auf die Frühlingsstraße zwischen 14:50 und 15:00 Uhr habe sie Rauchschwaden gesehen. Auf Höhe der Frühlingsstraße 22 habe sie Auto abgestellt, da sie sich nicht am brennenden Haus an der Frühlingsstraße 26 vorbeigetraut habe. Kurz nach dem Parken sei eine Bewohnerin des brennenden Hauses auf sie zugekommen, Herfurth habe sie angesprochen und gefragt, was hier los sei. Die Hausbewohnerin habe sich daraufhin zum brennenden Haus umgeschaut und habe erschrocken reagiert. Sie habe, so Herfurth weiter, darum gebeten, auf die beiden Katzen, die sie in Körben bei sich trug, aufzupassen. Die Nachbarin habe die Körbe abgestellt und sei anschließend davongegangen.

Herfurth berichtet, dass sie heute weiß, dass es sich bei ihrer Nachbarin um Beate Zschäpe gehandelt habe, damals habe sie Zschäpe nicht namentlich gekannt, sondern nur vom Sehen. Mit den Katzen habe Herfurth dann bis in die Abendstunden ausgeharrt, zwischenzeitlich hätten sich Leute vom Ordnungsamt nach den Katzen erkundigt. Sie würden die Katzen mitnehmen, wenn sie nicht abgeholt werden. Auf Nachfrage erklärt Herfurth, dass die Übergabe der Katzen durch Zschäpe möglicherweise auch von einer Frau mit Kind beobachtet worden sei, Herfurth erinnert sich noch an ein kurzes Gespräch mit ihr. Herfurth wird auch nach Polizeistreifen im Viertel befragt. Sie antwortet, dass sie nicht sagen könne, ob es diese »öfters« als anderswo gegeben habe. Auch auf Nachfrage erklärt Herfurth, dass sie sich nicht konkret an den Einzug des Trios erinnern könne, zum Zeitpunkt des Brandes sei er vier oder fünf Jahre her. Die Zeugin berichtet, dass es Gespräche zum weiteren Umgang mit dem Gebäude gegeben habe, da hätte sie und ihre Familie sich eher rausgehalten. Ihre Meinung sei gewesen: abreißen, damit das seinen Frieden findet.

Als nächstes wird Lutz Winkler vernommen. Er bewohnte zum Brandzeitpunkt eine Wohnung in der Frühlingsstraße 26a. Winkler verzichtet auf eine selbstständige Schilderung des Geschehens, er wüßte nicht, was er berichten solle. Daraufhin beginnt sofort die Befragung. Winkler erklärt, dass er am 4.11.2011 bei seiner Lebensgefährtin in der Wohnung gewesen sei. Ein Nachbar habe am Nachmittag geklingelt und gesagt, dass es »bei euch« in der Frühlingsstraße brenne. Daraufhin habe er sich die etwa 300 Meter zum Brandort begeben, wo die Polizei bereits abgesperrt habe und viele Schaulustige gestanden hätten.

Er habe dem Einsatzleiter mitgeteilt, wo der Gashauptanschluss des Hauses gewesen sei. Er sei zwischen 15:30 Uhr bis etwa 21 Uhr vor Ort gewesen. Auf die Frage mit wem er da gesprochen habe, antwortet er, dass es das heute doch nicht mehr wisse. Er habe mit einem Polizeibeamten gesprochen, dabei ging es darum, wer im Haus wohnt und wo man ersatzweise unterkommen könne. Die Frage, ob er derjenige gewesen sei, der die Mobilfunknummer von »Susann Dienelt« (eine Tarnidentität von Beate Zschäpe) an die Polizei weitergeben habe, verneint Winkler zunächst. Auf den Vorhalt, dass die Polizeiunterlagen etwas anderes sagen, fragt Winkler, woher er denn die Nummer gehabt haben soll. Susann Dienelt habe er zwangläufig gekannt, schließlich seien sie Nachbarn gewesen.

Winkler berichtet, dass er sich nach Absprache mit der Hausverwaltung um Rasenmähen, Schneeschippen und das Herausstellen der Mülltonnen gekümmert hat. Er sei aber kein Hausmeister gewesen. Auf die Frage nach Kontakten zu den Nachbarn, antwortet Winkler: »Nein, gar nicht.« Er erzählt weiter, dass es nur mal ein »Hallo« gegeben habe, oder eine Frage nach der Nutzung einer Wäschespinne. Er sei von Dienelt nach einem Rohrbruch angesprochen worden, ob er sich das mal anschauen könne. Er habe daraufhin nur einen kurzen Blick in den Flur geworfen, gesehen, dass dort Wasser die Decke herunter gelaufen sein und habe anschließend die Verwaltung informiert. Den Einzug des Trios datiert Winkler auf »vielleicht 2008, 2009«. Winkler berichet, dass sie viel mit dem Fahrrad gefahren seien, eher nicht mit eigenen Fahrzeugen. Außerdem sei etwa einmal im Monat die Schwester von Dienelt mit ihren Kindern vorbeigekommen. Zu den Familienverhältnissen von Zschäpe befragt, berichtet Winkler, dass es junge Leute gewesen seien, »Leute, wie du und ich«. Sie sei Sekretärin bei ihrem Vater oder Schwiegervater, ihr Freund sei Kraftfahrer gewesen.

Winkler wird auch zu seinen Mobiltelefonen befragt, hier verstrickt er sich recht offensichtlich in Widersprüche bzw. weicht Fragen aus. So meint er, dass er seine heutige Mobiltelefonnummer 2011 noch nicht besessen habe, auf einen Aktenvorhalt, der das Gegenteil nahe legt, antwortet er: »Was soll ich dazu sagen?«. Auf die Nachfrage, ob er sich vielleicht nur geirrt habe, reagiert er brüsk: »Woher soll ich das wissen? Schreib ich mir das alles auf?« Immer wieder drehen sich die Fragen des Untersuchungsausschuss um die Frage, wie die Polizei die Nummer von Susann Dienelt erhalten hat. Winkler schließt auf Nachfrage nicht aus, dass er sie möglicherweise in Unterlagen gehabt haben könnte. Er kann auch nicht ausschließen solche Unterlagen der Polizei übergeben zu haben, er kann sich aber nicht daran erinnern. Nicht erinnerlich ist ihm auch, dass es bei den Gesprächen mit der Polizei auch um eine Beschreibung des Aussehens von »Susann Dienelt« gegangen sei. Winkler war bis zum Aktenvorhalt der Meinung, es sei nur um organisatorische Fragen für die Hausbewohner gegangen. Bei einer weiteren Frage zur Telefonnummer von »Susann Dienelt« erwähnt Winkler ein schwarzes Brett im Haus, dort habe man seine Telefonnummer eintragen können, für den Fall, dass in Abwesenheit etwas passiere. Ihm sei aber nicht erinnerlich, dass die Nummer von Dienelt dort gestanden habe. Ausschließen kann Winkler, dass er die Telefonnummer besessen habe. Daran dass er die Nummer an die Polizei gegeben habe soll, kann er sich nicht erinnern.

Die Frage, ob er sich für die heutige Befragung vorbereitet habe, verneint Winkler. Er habe ein paar Artikel aus der Freien Presse ausgeschnitte, die seiner Meinung nach viel Komisches geschrieben habe. Er frage sich außerdem, warum er immer herangezogen werde zu Befragungen: »Das geht mir langsam auf den Keks.« Er habe Verdienstausfälle, müsse immer eine Freistellung erzwingen. Der Ausschussvorsitzende erwidert, dass noch nicht klar sei, ob er sich nicht erinnere oder ob er sich nicht erinnern will. Nach einer kurzen Unterbrechung, wird Winkler gefragt, ob er bedroht werde. Er verneint und fragt, wer ihn bedrohen solle.

Die Zeugenvernehmung wird zunächst für heute unterbrochen. Ob Winkler erneut geladen wird, bleibt offen, sein wenig glaubwürdiges Aussageverhalten lässt am Sinn einer weiteren Fragerunde zweifeln.

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